Der Digital Markets Act und die neue Pflicht zur Interoperabilität

Seit dem Herbst 2025 verlangt der EU‑Digital Markets Act (DMA), dass große Plattformen wie Apple, Google und Meta ihre Dienste für Drittanbieter öffnen. Ziel ist es, die Marktmacht der sogenannten Gatekeeper zu brechen, den Wettbewerb zu beleben und den Nutzern mehr Wahlfreiheit zu geben. In diesem Kontext hat WhatsApp seine technischen Spezifikationen angepasst, sodass theoretisch Nachrichten zwischen WhatsApp und anderen Messengern ausgetauscht werden können.

Threemas Grundprinzipien: Datenschutz und Sicherheit

Threema, ein in der Schweiz entwickelter Messenger, legt seit seiner Gründung den Fokus auf Ende‑zu‑Ende‑Verschlüsselung, anonyme Nutzer‑IDs und minimale Metadaten. Eine Anbindung an WhatsApp würde jedoch bedeuten, dass diese hohen Standards auf das niedrigste gemeinsame Niveau reduziert werden müssten. Die Identifikation der Nutzer unterscheidet sich grundlegend – Threema nutzt anonyme IDs, WhatsApp verlangt Handynummern. Eine solche Angleichung würde die Privatsphäre der Threema‑Community gefährden, weil nicht klar ist, wie WhatsApp mit den übermittelten Daten umgeht, zumal die Plattform nicht Open Source ist.

Gefahr der Monopolverstärkung

Obwohl der DMA den Wettbewerb fördern soll, befürchtet Threema, dass eine direkte Interoperabilität das Gegenteil bewirkt. Wenn WhatsApp‑Nutzer ohne zusätzlichen Aufwand mit Threema‑Kontakten kommunizieren könnten, würde der Anreiz, die Threema‑App überhaupt zu installieren, stark sinken. Das würde die Vielfalt im Messaging‑Markt reduzieren und die Position von WhatsApp weiter festigen.

Finanzierungsmodell im Blick

Threema finanziert sich ausschließlich über den einmaligen Verkauf der App – nicht über Werbung oder den Handel mit Nutzerdaten. Ein Rückgang der Downloads würde die Einnahmequelle gefährden, die für Weiterentwicklungen und die Aufrechterhaltung einer potenziellen Schnittstelle zu WhatsApp nötig ist. Ohne diese Mittel könnte das Unternehmen seine Unabhängigkeit und die hohen Sicherheitsstandards nicht mehr garantieren.

Technische Hürden und Ressourcenaufwand

Die Umsetzung einer Interoperabilität ist technisch äußerst komplex. WhatsApp definiert sämtliche Protokolle, sodass Drittanbieter quasi eine abgespeckte Version von Metas Chat‑App in ihre eigene Infrastruktur integrieren müssten. Derzeit unterstützt WhatsApp nur Einzelchats; Gruppen, Audio‑ und Video‑Anrufe bleiben unklar. Die unterschiedlichen Funktionsumfänge beider Dienste machen eine nahtlose Integration praktisch unmöglich, ohne erhebliche Entwicklungsressourcen zu binden.

Fazit: Warum Threema den Anschluss verweigert

Aus Sicht von Threema stehen die Wahrung der Privatsphäre, die Vermeidung einer Monopolverstärkung und die Sicherung des eigenen Geschäftsmodells im Vordergrund. Die technischen und finanziellen Hürden überwiegen die potenziellen Vorteile einer offenen Kommunikation mit WhatsApp. Deshalb bleibt Threema bei seiner Entscheidung, keine Interoperabilität mit WhatsApp zu ermöglichen, und hält an den eigenen Datenschutz‑ und Sicherheitsstandards fest.

Source: https://threema.com/de/blog/interoperabilitaet-mit-whatsapp

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