Einzigartige Entdeckung in Iberien
Archäologen, die in der ehemaligen Bronzezeit-Siedlung Cabezo Redondo bei Villena graben, haben einen erstaunlichen Fund gemacht: die Überreste eines fast vollständigen Holzwirbelrahmens, der etwa 3 500 Jahre alt ist. Dieses Artefakt liefert seltene Einblicke in die Textilproduktion der Bronzezeit und eröffnet neue Perspektiven auf das tägliche Leben jener Zeit.
Wie das Gut erhalten wurde
Ein verheerendes Feuer, das das Dorf vor rund 3 500 Jahren traf, schuf die perfekten Bedingungen für die Konservierung. Als das Dach einstürzte, bildete sich eine verschlossene Kammer, in der das Webgestell, mehrere Holzstücke und die dazugehörigen Lehmgewichte unverzüglich begraben wurden. Die plötzliche Erhitzung sorgte dafür, dass organisches Material, das sonst schnell verfallen würde, nahezu intakt blieb.
Was das Fundament ausmacht
Auf einer erhöhten Plattform fanden die Forscher eine dichte Konzentration von Lehmgewichten, die jeweils rund 200 Gramm wogen. Zwischen diesen Gewichten lagen verkohlte Holzbalken und geflochtene Esparto‑Fasern – ein robustes Gras, das im Mittelmeerraum traditionell für Seile, Matten und Körbe verwendet wurde. Die Kombination aus Gewichten, Holz und Fasern lässt eindeutig darauf schließen, dass es sich um ein vertikales Webstuhl‑System handelt.
Materialanalyse und Baumarten
Mittels hochauflösender Mikroskopie wurde das Holz identifiziert als Aleppo-Kiefer, ein in der Region verbreiteter Baum. Die zahlreichen Jahresringe zeigen, dass das Holz von einer bereits gealterten Pflanze stammte, was auf die gezielte Auswahl hochwertiger Materialien durch die Bronzezeitbewohner hindeutet.
Die Bedeutung für die Textilrevolution
Der Fund ist ein Meilenstein für das Verständnis der sogenannten Textilrevolution der Bronzezeit. Diese Periode war geprägt von einer Kombination aus wachsender Viehzucht für Wolle, technischen Neuerungen bei Webstühlen und gesellschaftlichen Umwälzungen. Bisher mussten Wissenschaftler oft nur lose Gewichtsteine studieren und daraus Rückschlüsse ziehen. Der fast komplette Webstuhl ermöglicht jetzt eine ganzheitliche Analyse von Aufbau, Funktion und sozialer Einbindung.
Alltag und Gemeinschaft
Interessanterweise befand sich der Webstuhl nicht in einer abgeschlossenen Werkstatt, sondern in einem offenen Außenbereich, der vermutlich von mehreren Haushalten gemeinsam genutzt wurde. Das legt nahe, dass das Weben damals eine kollektive Tätigkeit war, die den sozialen Zusammenhalt stärkte und möglicherweise sogar rituelle Bedeutung hatte.
Die Entdeckung unterstreicht, wie Katastrophen paradoxerweise zum Erhalt historischer Zeugnisse beitragen können, und eröffnet Forschern neue Wege, das wirtschaftliche und kulturelle Geflecht der Bronzezeit zu rekonstruieren.
Source: https://scientias.nl/unieke-vondst-in-spanje-een-bijna-compleet-houten-weefgetouw-uit-de-bronstijd/