Ein Blick durch drei Wellenlängen

Die Galaxie II Zw 096 liegt etwa 500 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Delphin. Dort kollidieren zwei massive Sternensysteme, ein Vorgang, der über Milliarden Jahre hinweg das gesamte Umfeld umgestaltet. Erst kürzlich hat das NASA‑Röntgenteleskop Chandra das System in seiner energiereichsten Form festgehalten. Kombiniert man diese Daten mit den optischen Aufnahmen des Hubble‑Weltraumteleskops aus dem Jahr 2008 und den Infrarotbildern der James‑Webb‑Teleskop‑Mission von 2022, entsteht ein nahezu vollständiges Porträt einer kosmischen Katastrophe.

Röntgen, optisch und infrarot – jede Wellenlänge erzählt ein Stück Geschichte

Die Chandra‑Aufnahme erscheint in leuchtendem Magenta und offenbart heißes Gas, das von aktiven supermassiven Schwarzen Löchern in den Kernen beider Galaxien aufgeheizt wird. Diese Röntgenstrahlen dringen durch dichte Staubschichten hindurch und zeigen, wo die energetischsten Prozesse stattfinden. Das Hubble‑Bild liefert das klassische Blau‑Weiß‑Spektrum, das die beiden Galaxien als getrennte, aber bereits stark verzerrte Strukturen erkennbar macht. Besonders auffällig sind die leuchtenden Schleifen aus Sternentstehungsregionen, die die beiden Systeme verbinden.

Webb hingegen liefert das fehlende Puzzleteil im Infrarot. Die NIRCam‑ und MIRI‑Instrumente zeigen rote und graue Farbtöne, die das verborgene Sternenbaby‑Kraftwerk offenbaren. Dort, wo dicker interstellarer Staub das sichtbare Licht blockiert, dringt die Infrarotstrahlung hindurch und enthüllt kompakte, extrem helle Sternhaufen. Diese Regionen sind nur wenige hundert Lichtjahre groß, aber sie produzieren die überwältigende Energie, die II Zw 096 zu einem sogenannten Luminous Infrared Galaxy macht.

Ein Infrarot‑Leuchtturm im Universum

Mit einer Infrarot‑Leuchtkraft, die mehr als hundert Milliarden Mal die der Sonne beträgt, gehört II Zw 096 zu den hellsten Objekten seiner Klasse. Die enorme Helligkeit entsteht durch die intensive Sternentstehung, die die Kollision ausgelöst hat. Das gesamte System misst rund 50 000 Lichtjahre im Durchmesser, doch das eigentliche „Herz“ der Aktivität – das Gebiet, in dem die meisten neuen Sterne geboren werden – ist auf etwa 700 Lichtjahre begrenzt. Dort kochen Gaswolken zusammen, während die Gravitationskräfte der beiden Galaxien das Material immer wieder neu anordnen.

Ein Fenster in die Frühzeit des Kosmos

Solche Zusammenstöße waren im jungen Universum weitaus häufiger. Sie trieben das Wachstum von Galaxien voran und formten die Strukturen, die wir heute beobachten. Durch die Kombination von Röntgen‑, optischen‑ und Infrarotdaten erhalten Astronomen ein nahezu vollständiges Bild der physikalischen Prozesse: von den aktiven Schwarzen Löchern, die Energie in Form von Röntgenstrahlen freisetzen, bis zu den staubverhüllten Sternentstehungsgebieten, die nur im Infrarot sichtbar werden.

Die Zusammenarbeit von Chandra, Hubble und Webb demonstriert eindrucksvoll, wie unterschiedliche Wellenlängen jeweils ein eigenes Puzzleteil liefern. Erst das Zusammenfügen dieser Teile offenbart das komplexe Bild einer galaktischen Kollision, das sich über Hunderte Millionen Jahre erstreckt. Für alle, die das nächste Mal ein Bild einer verschmelzenden Galaxie sehen, steckt hinter den leuchtenden Farben ein faszinierendes Drama aus Gravitation, Staub und neu entstehenden Sternen.

Source: https://scientias.nl/ruimtefoto-ii-zw-096/

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