Einleitung
Ein synthetisches Östrogen, das häufig über Abwasser in Flüsse und Seen gelangt, beeinflusst das Sozialverhalten von männlichen Fischen stärker als bisher angenommen. In einem langjährigen Feldexperiment in Ontario, Kanada, zeigte sich, dass das Hormon Ethinylestradiol (EE2) die Aggressivität von männlichen Amerikanischen Dikkop-Elritsfischen deutlich erhöht und gleichzeitig die Brutpflege beeinträchtigt.
Das synthetische Hormon EE2
EE2 ist die aktive Komponente von Antibabypillen. Obwohl Kläranlagen den Großteil dieser Substanz entfernen, gelangen Spuren von etwa 5‑6 ng l⁻¹ dennoch in Oberflächengewässer. Solche Konzentrationen wurden bereits in anderen Regionen nachgewiesen und gelten als ökologisch relevant.
Versuchsaufbau und Dauer
Von 2001 bis 2003 wurden in einem See gezielt geringe Mengen EE2 zugeführt, wobei die Zugabe auf bestimmte Jahreszeiten beschränkt war. Die Beobachtungsphase erstreckte sich über zwölf Jahre, sodass sowohl das unmittelbare als auch das langfristige Verhalten der Fische dokumentiert werden konnte. Vergleichsgruppen aus benachbarten, unbehandelten Seen dienten als Kontrolle.
Verändertes Sozialverhalten
Unter natürlichen Bedingungen verteidigen männliche Dikkop-Elritsfische ihr Nest, locken Weibchen an und bewachen die Eier. Nach der EE2‑Exposition jedoch kam es zu einer Zunahme von Eindringlingen rund um die Nester, was die Männchen zu häufigeren Angriffen zwang. Diese gesteigerte Aggressivität ging einher mit einer Reduktion der Zeit, die sie am Nest verbrachten, und führte zu einer geringeren Anzahl von befruchteten Eiern.
Physiologische und morphologische Folgen
Zusätzlich zu Verhaltensänderungen verloren die Männchen typische Fortpflanzungsmerkmale: Die kleinen Knötchen auf dem Kopf und die fettige Rückenlage, die für die Ei‑Pflege wichtig sind, wurden weniger ausgeprägt. Diese physischen Veränderungen verstärkten die negative Wirkung auf die Reproduktion.
Ökologische Konsequenzen
Die Kombination aus erhöhter Aggression, reduzierter Brutpflege und veränderten Körpermerkmalen trug zu einem deutlichen Rückgang der Fischpopulation im behandelten See bei. Forschende betonen, dass das Hormon nicht nur einzelne Individuen, sondern das gesamte soziale Gefüge des Ökosystems beeinflusst.
Source: https://scientias.nl/hormoon-uit-afvalwater-maakt-mannetjesvissen-agressiever/