Einleitung

Seit dem Ausbruch der COVID‑19‑Pandemie zeigen aktuelle Analysen, dass die Impfquoten bei Säuglingen in vielen EU‑Staaten sinken. Während Europa lange Zeit als Vorreiter im Kampf gegen Krankheiten wie Diphtherie oder Polio galt, wirft der jüngste Trend Fragen nach der zukünftigen Immunität der jüngsten Generation auf.

Methodik der Studie

Ein Forscherteam der Università Cattolica del Sacro Cuore in Rom wertete Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF aus. Sie konzentrierten sich auf sieben Impfungen, die im ersten Lebensjahr empfohlen werden und insgesamt neun schwere Erkrankungen abdecken: Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Hepatitis B, Polio, Masern, Röteln, Pneumokokken und Haemophilus influenzae b‑Typ (Hib). Für fünf dieser Impfstoffe wurde ein Kind erst nach Erhalt der dritten Dosis als vollständig geimpft gezählt.

Analyseverfahren

Die Wissenschaftler verglichen pro Land und Impfstoff den Anteil geimpfter Kinder über mehrere Jahre und identifizierten mit statistischer Software die Zeitpunkte, an denen die Trendlinien eine deutliche Kehrtwende erfuhren.

Ergebnisse: Gesamttrend und nationale Unterschiede

Von den 183 untersuchten Land‑Impfstoff‑Kombinationen zeigten 128 zunächst eine Aufwärtsbewegung. In den letzten Jahren jedoch kehrte sich das Bild um: 119 Kombinationen wiesen einen Rückgang auf, während nur 64 weiter stiegen. In 16 Ländern sank die Impfquote für mindestens vier der sieben Impfstoffe, wobei die meisten Knicke zwischen 2019 und 2022 auftraten.

Besonders stark fiel die Hib‑ und Polio‑Impfung in 20 von 27 Ländern. Masern‑ und Röteln‑Impfungen blieben relativ stabil. Die tiefste Abnahme verzeichnete Tschechien seit 2022, während Luxemburg und Portugal 2024 noch über 95 % aller Impfungen erreichten. Rumänien lag hingegen durchgehend unter 80 %.

Die Situation in den Niederlanden

Die Niederlande gehören zu den sechs Ländern, in denen die Impfquoten für sämtliche sieben Impfstoffe rückläufig sind. Seit 2020 verliert das Land jährlich etwa 1,3 % bis 1,9 % an geimpften Säuglingen. Im Jahr 2024 lag die Gesamtimpfquote zwischen 88 % und 91 %. Interessanterweise zeigen die Daten, dass seit den 1980er‑Jahren für sechs der sieben Impfstoffe ein kontinuierlicher Abwärtstrend zu beobachten ist.

Belgien im Vergleich

Belgien erzielt deutlich höhere Werte: 2024 erhielten mindestens 96 % der Kinder die Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Polio, Hepatitis B, Hib, Masern und Röteln. Das Pneumokokken‑Vakuum blieb bei 94 %. Dennoch verzeichnet Belgien für vier Impfstoffe eine stagnierende Entwicklung, was bedeutet, dass das frühere Wachstum kaum mehr zunimmt, aber auch nicht mehr abnimmt.

Mögliche Ursachen und offene Fragen

Die Studie selbst identifizierte keine direkten Ursachen für den Rückgang. Experten vermuten jedoch, dass verschobene Arzttermine während der Pandemie, zunehmende Impfzurückhaltung durch Desinformation, Polarisierung sowie finanzielle oder logistische Hürden eine Rolle spielen könnten. Länder mit verpflichtenden Impfungen – etwa Belgien, Frankreich oder Italien – schneiden langfristig besser ab, was auf kulturelle und politische Unterschiede hindeutet.

Wichtig zu betonen ist, dass Korrelation nicht Kausalität bedeutet: Der gleichzeitige Zeitpunkt von Pandemie und Impfrückgang beweist nicht, dass COVID‑19 die alleinige Ursache ist.

Fazit

Der abnehmende Trend bei den Impfquoten von europäischen Babys stellt ein potenzielles Risiko für die Herdenimmunität dar, insbesondere bei hoch ansteckenden Krankheiten wie Masern, die eine Impfquote von rund 95 % erfordern. Während einige Länder wie Luxemburg und Portugal noch hohe Werte erreichen, zeigen die Niederlande und andere Staaten alarmierende Rückgänge, die dringend Gegenmaßnahmen erfordern.

Source: https://scientias.nl/vaccinatiegraad-bij-europese-babys-daalt-sinds-corona-dit-is-hoe-nederland-het-doet/

Related Articles