Einbruch in das Flock‑Kamerasystem

Ein Team von Hackern hat ein Flock‑Kamera‑Modul, das über einer vielbefahrenen Straße installiert war, demontiert, den internen Speicher ausgelesen und nahezu die gesamte darin gespeicherte Datenbank reproduziert. Die erbeuteten Dateien wurden an 404 Media und WIRED weitergeleitet, wo sie einer gemeinsamen Analyse unterzogen wurden. Der Vorfall liefert einen bislang ungeahnten Einblick in die Funktionsweise einer Technologie, die von vielen Kommunen als Schlüssel zur Verkehrssicherheit beworben wird.

Technische Vorgehensweise

Entgegen der Behauptung von Flock Safety, dass die Geräte durch eine on‑device‑Verschlüsselung geschützt seien, gelang es den Angreifern, den Speicher auszulesen und einen auf dem Gerät abgelegten Entschlüsselungsschlüssel zu extrahieren. Mit diesem Schlüssel konnten tausende von Video‑ und Bildaufnahmen entschlüsselt werden, die Fahrzeugerkennungen, Kennzeichen, Fahrräder und sogar Fußgänger dokumentieren.

Was die Daten enthüllen

Die wiederhergestellten Log‑Dateien zeigen, dass ein einzelnes Gerät im Verlauf mehr als eine Million Einzelbilder erzeugte. Die Computer‑Vision‑Software identifizierte nicht nur Kennzeichen, sondern isolierte auch Details wie Aufkleber auf Stoßfängern, farbige Flaggen‑Patches auf Motorradtaschen und andere markante Grafiken. Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass das System Personen erkennt – ein Aspekt, der bislang kaum öffentlich diskutiert wurde.

Reaktionen aus der Praxis

Der physische Diebstahl der Kamera ist nicht das einzige Signal der Unzufriedenheit. In mehreren US‑Städten wurden bereits Personen wegen Sabotage an Flock‑Kameras verhaftet. Einige Gemeinden haben daraufhin beschlossen, die Technologie komplett abzuschaffen, während ein Polizeidienst sogar ein 3‑D‑gedrucktes Attrappen‑Gehäuse herstellte, um potenzielle Vandalen anzulocken.

Ein nationales Überwachungsnetzwerk

Flock wirbt mit einem landesweiten Netzwerk, das es Behörden ermöglicht, auf Kameradaten aus anderen Regionen zuzugreifen. Die Untersuchung ergab, dass in Alpharetta, Georgia, über 2 000 unterschiedliche Stellen – von Universitäten über Flughäfen bis hin zum Office of Inspector General der General Services Administration – Zugriff auf lokale Aufnahmen hatten. Noch brisanter: Daten wurden an ICE weitergeleitet, obwohl manche Kommunen offiziell die Zusammenarbeit mit Einwanderungsbehörden untersagen. Ein Polizist aus Texas nutzte das System, um nach einer Frau zu suchen, die sich selbst eine Abtreibung vorgenommen hatte.

Kontroverse und Ausblick

Die Enthüllungen haben eine landesweite Debatte über die Angemessenheit von automatischen Kennzeichenerkennungs‑Systemen (ALPR) entfacht. Während Befürworter auf die potenzielle Reduktion von Verkehrsunfällen verweisen, warnen Datenschützer vor einer flächendeckenden Überwachung, die weit über das reine Fahrzeugtracking hinausgeht. Die Hacker, die sich selbst als „stegan0gram“ bezeichnen, betonen, dass ihr Ziel nicht Zerstörung, sondern Aufklärung sei: „Warum nur zerstören, wenn wir die Geheimnisse der Überwachung offenlegen können?“

Source: https://www.404media.co/hackers-stole-flocks-camera-software-revealing-how-the-company-tracks-cars-and-people-2/

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