Ein überraschendes Spielverhalten
Forscher, die die Auswirkungen des Tourismus auf die endemische Zwergwasbärpopulation von Cozumel untersuchten, stießen auf ein völlig unerwartetes Phänomen. Statt nur Futterquellen zu beobachten, sahen sie, wie zwei junge Tiere eigenständig kleine Bälle aus Papier herstellten und damit spielten.
Wie die ersten Bälle entstanden
Alles begann, als ein erwachsenes Weibchen ein Stück feuchtes Papier liegen ließ. Ihre Tochter nahm das Material, tränkte es erneut, rollte es im Sand und formte daraus eine kompakte Kugel. Das Schwesterchen beobachtete aufmerksam, versuchte es selbst, scheiterte jedoch. Daraufhin half die ältere Tochter und vollendete den Ball. Anschließend begannen die beiden, die Bälle zu schlagen, hinterherzujagen und miteinander zu teilen.
Wiederholte Beobachtungen am Strand
In den folgenden Tagen kehrten die Wissenschaftler zur selben Strandclub‑Umgebung zurück, wo Müllbehälter in der Nähe standen. Dort sahen sie die Zwergwasbären immer wieder neue Papierbälle herstellen und damit interagieren. Sie rollten die Bälle über den Sand, warfen sie einander zu und nutzten sie als Spielzeug – ein Verhalten, das bislang bei dieser Art nicht dokumentiert war.
Kein generelles Phänomen
Um zu prüfen, ob das Verhalten verbreitet ist, untersuchten die Forscher eine weitere Kolonie etwa 30 Kilometer entfernt, die ebenfalls Zugang zu Papierabfällen und Wasser hatte. Dort beobachteten sie keinerlei Ballherstellung oder entsprechendes Spiel. Das legt nahe, dass das kreative Spiel nur in der spezifischen Gruppe am ersten Standort entstanden ist und keine artweite Gewohnheit darstellt.
Einblick in soziale Lernprozesse
Ein besonders eindrücklicher Moment ereignete sich, als das erste erfolgreiche Jungtier erkrankte und entfernt wurde. Kurz darauf formte seine Schwester aus einer Hamburger‑Verpackung einen neuen Ball. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass die Tiere nicht nur Materialien wiederverwenden, sondern auch voneinander lernen und Innovationen weitergeben können.
Die dunkle Kehrseite des Mülls
Obwohl das Spielverhalten faszinierend ist, birgt das Vorhandensein von Abfall auch Risiken. Ein weiteres Schwesterchen starb wenig später, vermutlich an Unterernährung und an toxischen Substanzen, die aus dem menschlichen Müll stammen. So wird deutlich, dass das gleiche Material, das kreativen Spielspaß ermöglicht, gleichzeitig eine Gefahr für das Überleben einer bereits stark bedrohten Art darstellt.
Die Beobachtungen zeigen, dass Wildtiere, die in unmittelbarer Nähe zum Menschen leben, Abfall auf überraschende Weise nutzen können. Sie schaffen damit nicht nur neue soziale Interaktionen, sondern geben uns auch Hinweise darauf, wie menschliche Aktivitäten das Verhalten gefährdeter Arten beeinflussen können.
Source: https://scientias.nl/deze-kleine-wasbeertjes-kunnen-een-wel-heel-bijzonder-trucje/