Einleitung

In den letzten vier Jahrzehnten hat sich das Wetterphänomen El Niño deutlich verstärkt. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Intensität um fast 40 % zugenommen hat – ein Trend, der in den Aufzeichnungen der letzten tausend Jahre bislang nicht zu finden ist. Die Analyse von Korallen aus den Galapagos-Inseln liefert dabei den entscheidenden Hinweis.

Wie entsteht ein El Niño?

Normalerweise treiben Passatwinde warmes Oberflächenwasser von Südamerika nach Westen, also in Richtung Australien. Schwächen diese Winde, kehrt das warme Wasser zurück nach Osten und löst ein El Niño‑Ereignis aus. Dabei verlagert sich die Niederschlagszone von Indonesien ins zentrale Pazifikgebiet, während der westliche Pazifik trockener wird. Die veränderten Luftströmungen können das Wetter in Nord‑ und Südamerika, Afrika und Asien stark beeinflussen – von vermehrten Regenfällen im Südwesten der USA bis zu Dürreperioden im Nordwesten.

Folgen für Mensch und Natur

Die Auswirkungen reichen von Ernteausfällen über Waldbrände bis hin zu Krankheitsausbrüchen. In Kombination mit der globalen Erwärmung verstärken sich diese Effekte, weil höhere Grundtemperaturen die Extremereignisse noch intensiver machen.

Korallen als Klimarekorder

Forscher untersuchten die Kerne von dreizehn Korallenproben, die sowohl lebende Kolonien als auch jahrhundertealte Riffabschnitte umfassen. Jedes Jahr legt ein Korallenkörper ein bis zwei Zentimeter Calciumcarbonat ab. Die chemische Zusammensetzung – insbesondere das Verhältnis von Strontium zu Calcium und die Sauerstoffisotopen – spiegelt die Wassertemperatur zum Zeitpunkt des Wachstums wider.

Durch die millimetergenaue Analyse dieser Schichten entstand eine Temperaturchronik rund um die Galapagos, einem Gebiet, das besonders stark von El Niño beeinflusst wird. Die Daten zeigen ein klares Muster: In den letzten 40‑50 Jahren traten deutlich intensivere El Niño‑Ereignisse auf, während die vorherige Periode von vergleichsweise moderaten Ausbrüchen geprägt war.

Keine natürliche Erklärung

Um zu prüfen, ob natürliche Faktoren – etwa Vulkanausbrüche oder Schwankungen der Sonnenaktivität – die jüngste Verstärkung erklären könnten, wurden Klimamodelle für die letzten tausend Jahre simuliert. Die Ergebnisse lieferten keinen Hinweis auf ein natürliches Signal, das die beobachtete Intensitätszunahme rechtfertigen würde. Damit bleibt die globale Erwärmung als wahrscheinlichster Treiber übrig.

Ausblick

Wissenschaftler warnen, dass zukünftige El Niño‑Ereignisse nicht nur häufiger, sondern auch stärker werden könnten. Die Kombination aus steigenden Grundtemperaturen und veränderten Ozeanzirkulationen könnte zu sogenannten „Super‑El Niño“ führen, deren Auswirkungen das globale Klimasystem stark belasten würden.

Source: https://scientias.nl/el-nino-is-de-afgelopen-decennia-40-procent-sterker-geworden-wat-is-er-aan-de-hand/

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