Ein Jahrhundert alte Gefahr unter den Wellen

Im April 1917 stürzte die deutsche Unterseeboot UC‑30 vor der dänischen Insel Rømø ab, nachdem sie auf eine britische Seemine geraten war. An Bord befanden sich achtzehn Minen und sechs Torpedos – ein tödlicher Schatz, der nach dem Untergang über 100 Jahre lang im Meeresgrund lag. Erst 2016 wurde das Wrack von dem dänischen Taucher Gert Normann Andersen entdeckt, und seitdem hat ein internationales Forschungsteam um Prof. Katrine Juul Andresen von der Universität Aarhus die Umweltfolgen untersucht.

Nachweis von TNT im Meer

Dank der dänischen Marine, die Taucher, Wasser‑ und Sedimentproben sowie lebende Organismen sammelte, konnten die Wissenschaftler eindeutig TNT‑Spuren nachweisen – sowohl im Wasser als auch in Muscheln und Seesternen, die das Wrack besiedeln. Diese Ergebnisse belegen, dass das alte Munitionslager weiterhin Schadstoffe freisetzt, wenn auch bislang nur lokal.

Die Herausforderung der Unterwasser‑Müllbeseitigung

Der Zerfall von Metallhüllen im Salzwasser beschleunigt die Freisetzung von Sprengstoffen. Während die aktuelle Kontamination auf das unmittelbare Umfeld des UC‑30 beschränkt bleibt, könnte ein fortschreitender Verfall das Risiko einer weiträumigeren Verschmutzung erhöhen. Das Problem ist nicht auf ein einzelnes Wrack beschränkt: Laut einem Bericht von Andresen aus dem Jahr 2024 liegen in dänischen Gewässern über 10.000 Schiffswracks, von denen rund 15 % aus den Weltkriegen stammen und ebenfalls noch Munition an Bord haben.

Strategien gegen die Gefahr

Ein kontrolliertes Sprengen der Wracks erscheint riskant, weil dabei giftige Stoffe weiter ins Wasser gelangen könnten. Stattdessen prüfen Deutschland und europäische Partner alternative Methoden, etwa das gezielte Entfernen von Munition oder den Einsatz von Biotechnologie im Rahmen des REMARCO‑Projekts, um die Schadstofffreisetzung zu hemmen. Die Kosten und technische Komplexität solcher Maßnahmen sind jedoch hoch, und die Entscheidung hängt stark von Standort, Strömungen und Meeresbodenbeschaffenheit ab.

Die anhaltende Belastung durch das UC‑30‑Wrack erinnert eindringlich daran, dass Kriegsgeschichte nicht nur in Museen, sondern auch im Ozean weiterlebt – und dass nachhaltige Lösungen dringend erforderlich sind, um die Nordsee für kommende Generationen zu schützen.

Source: https://scientias.nl/hoe-een-onderzeeer-uit-1917-de-noordzee-nog-altijd-vervuilt/