Wachsende Gegenwehr gegen Palantir in Europa
Der US‑Softwarekonzern Palantir gerät zunehmend in die Schlagzeilen, weil Regierungen, NGOs und Aktivist*innen ihn als Werkzeug für umfassende Überwachung und repressives Vorgehen kritisieren. In mehreren europäischen Ländern zeigen sich Behörden skeptisch: Die Schweizer Armee hat den Auftrag abgelehnt, Frankreichs Inlandsgeheimdienst distanziert sich, und Londons Bürgermeister blockiert einen Millionen‑Deal der Polizei. Auch im Vereinigten Königreich steigt der politische Druck, während die Grünen in Baden‑Württemberg gegen einen geplanten Vertrag gestimmt haben.
Warum die Technologie umstritten ist
Palantir wirbt damit, dass seine Plattformen bestehende Softwaresysteme ergänzen und riesige Datenmengen analysieren können. Dabei sollen Muster und Zusammenhänge erkannt werden – egal, ob es sich um Krankenhäuser, Einzelhandelsketten oder militärische Operationen handelt. Kritiker*innen betonen jedoch, dass die gesammelten Informationen kaum wieder gelöscht werden können. Die Firma verknüpft Daten aus unterschiedlichen Quellen, ohne transparent zu machen, welche Informationen gespeichert und wie lange sie behalten werden.
Besonders brisant ist die Zusammenarbeit mit der US‑Abschiebemiliz ICE. Dort werden Palantirs Werkzeuge eingesetzt, um Personen zu identifizieren, die gegen Abschiebungen protestieren, und um potenzielle „Risiken“ zu markieren. Zusätzlich liefert das Unternehmen Software an das US‑Militär und an Geheimdienste, was die Debatte um ethische Grenzen weiter anheizt.
Die US‑Kampagne „Purge Palantir“
Im eigenen Heimatland organisiert sich ein Netzwerk von Aktivist*innen unter dem Namen Purge Palantir, das die Firma aus dem öffentlichen Sektor verbannen will. Jeff, ein langjähriger Kampagnenorganisator, und Kay, ein Trainer für Protestaktionen, erklären, dass ihr Ziel nicht nur ein politischer Boykott sei, sondern ein Bewusstsein für die Gefahren von massiver Datenaggregation. Sie kritisieren drei Hauptaspekte: die enge Verknüpfung von Regierungsdaten, die Nutzung von Gesichtserkennung zur Verfolgung von Demonstranten und die Rolle Palantirs bei militärischen Operationen, etwa im Nahen Osten.
Die Aktivist*innen betonen, dass die Software nicht nur Muster erkennt, sondern aktiv dazu beiträgt, Menschen zu überwachen und zu kontrollieren. Sie fordern strengere Regulierungen und mehr Transparenz, damit Bürger*innen nachvollziehen können, welche Daten über sie gesammelt werden.
Politische Konsequenzen und aktuelle Entscheidungen
Die wachsende Kritik hat bereits konkrete Folgen: In der Schweiz wurde ein geplanter Auftrag für die Armee abgesagt, weil die Gefahr einer unkontrollierten Datenweitergabe als zu hoch eingeschätzt wurde. In Frankreich hat das Innenministerium die Zusammenarbeit mit Palantir vorerst ausgesetzt, während in Großbritannien ein geplanter Vertrag mit dem National Health Service unter starkem öffentlichen Druck steht.
Diese Entwicklungen zeigen, dass sowohl linke als auch rechte Kräfte Palantir zunehmend ablehnen – nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil die Technologie als Gefahr für Grundrechte und demokratische Prozesse wahrgenommen wird. Der Widerstand könnte langfristig dazu führen, dass Unternehmen, die auf invasive Datenanalyse setzen, stärker reguliert werden.
Source: https://netzpolitik.org/2026/protest-gegen-palantir-weder-von-linken-noch-von-rechten-gemocht/