Ein ungewöhnlicher Protest in Berlin
Am Donnerstagabend versammelten sich Hunderte von Aktivist*innen, Journalist*innen und besorgten Bürger*innen vor dem Axel‑Springer‑Gebäude, um lautstark gegen die Verleihung des Axel‑Springer‑Awards an den Milliardär Peter Thiel zu demonstrieren. Die Menge, die sich selbst als Verteidiger*innen der Grundrechte bezeichnet, brachte nicht nur Parolen, sondern auch kreative Inszenierungen mit, die das Geschehen zu einem medienwirksamen Ereignis machten.
Hintergrund der Preisverleihung
Der Axel‑Springer‑Verlag begründete die Ehrung damit, dass Thiels Unternehmen Palantir ein „entscheidender Faktor für die Resilienz von Demokratien“ sei. Kritiker*innen sehen darin jedoch ein gefährliches Paradoxon: Palantir wird weltweit für seine Überwachungstechnologien eingesetzt, die sowohl staatliche als auch private Akteure nutzen, um Bürger*innen zu kontrollieren. Zudem ist Thiel an Rüstungsfirmen beteiligt, die im Gaza‑Konflikt und anderen Kriegen Lieferungen tätigen.
Gandalf‑Modenschau als Symbol
Der Höhepunkt der Kundgebung war eine improvisierte Modenschau, bei der Demonstranten in Kostümen des Zauberers Gandalf auftraten. Das Motto „Thiel shall not pass“ spielte auf das berühmte Zitat aus „Der Herr der Ringe“ an und stellte den Oligarchen als Gegenpol zum weisen, guten Zauberer dar. Die Wahl von Gandalf war kein Zufall: Thiel hat in der Vergangenheit seine Firmen nach literarischen Figuren benannt, was die Protestierenden ironisch nutzten, um seine Ideologie zu kritisieren.
Stimmen aus der Menge
Maximilian, Sprecher der Demonstration, erklärte gegenüber netzpolitik.org, dass Thiel „nichts als Verachtung für demokratische Institutionen und letztlich auch für Menschenleben übrig habe“. Er betonte, dass Sicherheit nicht durch immer neue Polizeiausrüstung geschaffen werde, sondern durch Investitionen in den Sozialstaat. Lea, eine weitere Teilnehmerin, fügte hinzu: „Palantir ist ein System, das die Demokratie aushöhlt. Der Protest schafft ein Gemeinschaftsgefühl – wir sind nicht allein mit diesem Gedanken.“
Protest auf der Bühne
Trotz eines umfangreichen Polizeiaufgebots mit Absperrgittern gelang es einer mutigen Person, während der Preisverleihung selbst auf die Bühne zu steigen. Auf einem Transparent stand die provokante Botschaft „They know that we know that they lie“. Die Berliner Polizei bestätigte später, dass der Sicherheitsdienst des Verlags die Person an die Polizei übergeben habe und nun wegen Hausfriedensbruch ermittelt wird.
Begleitende Veranstaltungen
Vor der Kundgebung fand ein Teach‑In zum Thema „Tech‑Faschismus“ statt, bei dem Wissenschaftler*innen wie Christopher Coenen und Enno Park über die Gefahr von Technologie‑Monopolen für die Freiheit diskutierten. Die Veranstaltung verdeutlichte, dass die Kritik an Thiel nicht nur emotional, sondern auch fachlich fundiert ist.
Der Protest zeigte eindrucksvoll, wie zivilgesellschaftlicher Widerstand kreative Mittel nutzt, um komplexe Themen wie Überwachung, Rüstung und demokratische Erosion in den öffentlichen Diskurs zu bringen.