Ein neues Angebot gegen digitale Queer‑Gewalt

Im Juli 2024 hat der LSVD‑Verband Queere Vielfalt e.V. in Berlin‑Brandenburg die Fachstelle Queersafe Berlin eröffnet. Sie ist die erste offizielle Anlaufstelle, die systematisch queerfeindliche Gewalttaten im Netz erfasst und Betroffenen sowohl psychosoziale als auch juristische Hilfe anbietet. Die Initiative entstand aus dem runden Tisch gegen queerfeindliche Gewalt, weil die Zahlen in der Hauptstadt alarmierend hoch sind und bislang keine zentrale Erhebung existierte.

Gewalt beginnt nicht erst auf der Straße

Statistiken des Bundeskriminalamtes zeigen einen Anstieg von 12,8 % bei queerfeindlichen Straftaten im vergangenen Jahr. Besonders rechtsextreme Gruppierungen, aber auch islamistische Akteur*innen, verbreiten Hass, Beleidigungen und Bedrohungen im Netz. Diese Formen der Aggression sind häufig der Vorbote physischer Angriffe, doch sie werden häufig übersehen, weil sie nicht unmittelbar sichtbar sind. Queersafe Berlin will diese Lücke schließen, indem sie jede Meldung dokumentiert und daraus Handlungsempfehlungen ableitet.

Individuelle Unterstützung für Betroffene

Die Fachstelle bietet ein breites Spektrum an Leistungen. Zunächst wird in einem vertraulichen Gespräch ermittelt, welche konkreten Bedürfnisse die betroffene Person hat. Das kann die Optimierung von Sicherheitseinstellungen in sozialen Netzwerken, die Vorbereitung einer Strafanzeige oder eine intensive psychosoziale Begleitung nach traumatisierenden Erlebnissen umfassen. Viele queere Menschen haben schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht oder fürchten, ihre private Adresse preisgeben zu müssen. In solchen Fällen übernimmt Queersafe Berlin die Kommunikation mit der Staatsanwaltschaft und kann Anzeigen anonym einreichen.

Juristische Schritte gegen Hass‑Content

Ein besonders innovatives Element der Arbeit ist die Möglichkeit, zivilrechtliche Klagen zu prüfen. Aktuell wird ein KI‑generiertes Video untersucht, das eine fiktive Demonstration mit einem Transporter anzeigt, um queere Aktivist*innen anzugreifen. Die Fachstelle prüft nicht nur die Verantwortlichkeit des Erstellers, sondern auch die Haftung des Unternehmens, das die KI‑Plattform bereitstellt. So soll ein rechtlicher Präzedenzfall geschaffen werden, der digitale Hassinhalte konsequent unterbinden kann.

Kooperationen und Netzwerk

Queersafe Berlin arbeitet eng mit der Organisation HateAid zusammen, die seit mehreren Jahren als „Trusted Flagger“ im europäischen Recht gilt. HateAid unterstützt bei der schnellen Löschung von Hass‑Posts und liefert technische Expertise, während Queersafe die rechtliche Bewertung übernimmt. Neben Einzelpersonen wenden sich vermehrt auch queere Organisationen an die Fachstelle, um zu erfahren, wie sie ihre Mitglieder vor Online‑Gewalt schützen können.

Durch diese umfassende Herangehensweise – von der ersten Meldung über psychologische Begleitung bis hin zu gerichtlichen Schritten – soll ein sichereres digitales Umfeld für die LGBTQ+‑Community in Berlin geschaffen werden.

Source: https://netzpolitik.org/2026/queerfeindliche-gewalt-gewalt-beginnt-nicht-erst-auf-der-strasse/

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