Einleitung

Weltweit geben viele frischgebackene Mütter an, nicht genug Milch zu produzieren – und das ist häufig der Grund, das Stillen zu beenden. Aktuelle Forschung aus Rom zeigt jedoch, dass diese Annahme meist unbegründet ist. Drei gängige Praktiken auf Entbindungsstationen – zu frühes Fläschchen, das Verbot des Schnullers und das sofortige Anlegen einer elektrischen Pumpe – verstärken sich gegenseitig und können das Stillen unnötig erschweren.

Kolostrum: Mehr als genug

Wie viel Milch ist realistisch?

In den ersten 24 Stunden nach der Geburt produziert die Brust lediglich 2–10 ml Kolostrum. Das klingt nach wenig, entspricht aber exakt dem, was ein Neugeborenes aufnehmen kann. In einer Studie mit 391 Müttern lag die durchschnittliche Menge am ersten Tag bei weniger als fünf Millilitern, am zweiten Tag bei fast neun und am dritten Tag bei rund 23 ml. Diese Mengen reichen aus, weil das Baby pro Fütterung nur etwa 1,5 g Milch zu sich nimmt und zehn‑mal täglich gestillt wird – insgesamt etwa 15 g am ersten Lebenstag.

Der körpereigene Puffer des Säuglings

Neugeborene besitzen zudem körpereigene Energiereserven: Leber und Muskulatur decken den Bedarf der ersten 12–24 Stunden, das Fettgewebe liefert Energie für mehrere Wochen. Ein leichter Gewichtsverlust in den ersten Tagen ist daher physiologisch und kein Hinweis auf Unterernährung.

Der Schnuller: Kein Feind, sondern ein Missverständnis

Früher schrieb das WHO‑Programm "Baby Friendly Hospital Initiative" vor, dass gestillte Babys keinen Schnuller erhalten dürfen. 2018 wurde diese Regelung zu einer reinen Aufklärung geändert. Zehn randomisierte Studien fanden keinerlei Einfluss des Schnullers auf das Stillen – weder unmittelbar nach der Geburt, noch nach einem Monat oder nach drei Monaten. Beobachtungsstudien, die einen Zusammenhang zeigten, interpretieren das Ergebnis wahrscheinlich umgekehrt: Mütter, die beim Anlegen Schwierigkeiten haben, greifen eher zum Schnuller, und diese Schwierigkeiten führen dann zum vorzeitigen Abstillen.

Ein US‑Krankenhaus, das den Schnuller strikt verbot, verzeichnete einen Anstieg des Anteils von Fläschchen‑Ergänzungen von 19 % auf 28 %. Ein weinendes Baby ohne Schnuller wird schnell als hungrig wahrgenommen, was die Gefahr von unnötigem Fläschchen erhöht.

Frühes Pumpen – ein zweischneidiges Schwert

Die dritte Praxis, das sofortige Anlegen einer elektrischen Pumpe, wird ebenfalls kritisch betrachtet. Die meisten Evidenzen stammen aus Beobachtungsstudien; nur zwei kleine randomisierte Untersuchungen liegen vor. Das Risiko besteht darin, dass das Pumpen das natürliche Anlegen reduziert, wodurch die Brust nicht ausreichend stimuliert wird und die Milchproduktion sinkt – ein klassischer Teufelskreis.

Praktische Konsequenzen für Eltern und Fachpersonal

Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich zusammenfassen: Kolostrum ist in den ersten Tagen völlig ausreichend, ein Schnuller ist kein Hindernis für das Stillen, und das frühe Einsetzen einer Pumpe sollte wohlüberlegt sein. Statt sofort zu ergänzen, sollten Mütter ermutigt werden, das Anlegen zu üben, häufig zu stillen und bei Unsicherheiten professionelle Unterstützung zu suchen. So kann die natürliche Abstimmung zwischen Mutter und Kind optimal funktionieren.

Source: https://scientias.nl/colostrum-is-genoeg-de-fopspeen-is-niet-de-vijand-en-de-kolf-mag-wachten/