Einleitung
Eine aktuelle Untersuchung in den Regenwäldern von Borneo hat gezeigt, dass die riesigen Dipterocarp-Bäume – die höchsten blühenden Arten der Erde – weitaus robuster gegenüber Dürreperioden sind, als bisher angenommen. Die Ergebnisse ändern das Bild von hochgewachsenen Tropenbäumen in Klimamodellen und unterstreichen ihre zentrale Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf.
Die traditionelle Annahme
Lange galt die Vorstellung, dass die enorme Höhe eines Baumes das Wassertransport‑System überfordert. Durch die lange Strecke vom Tiefen‑Wurzelsystem zu den hohen Blättern würde die Schwerkraft das Aufsteigen des Wassers erschweren, wodurch die Photosynthese und das Wachstum langsamer würden. Wissenschaftler vermuteten, dass besonders hohe Exemplare deshalb während Trockenzeiten schneller verkümmern würden.
Wie Bäume wirklich Wasser bewegen
Im Gegensatz zu mechanischen Pumpen setzen Bäume auf physikalische Kräfte. In winzigen Poren der Blattoberfläche – den Stomata – verdunstet ständig Wasser. Dieser Vorgang erzeugt einen Unterdruck im oberen Baumstamm, der das Wasser aus den Wurzeln über die Xylem‑Gefäße nach oben zieht. Der Prozess beruht auf Kohäsion (Zusammenhalt der Wassermoleküle) und Adhäsion (Haftung an den Gefäßwänden). Durch Kapillareffekte kann Wasser sogar in sehr schmalen Röhren über mehrere Dutzend Meter transportiert werden.
Neue Feldstudien in Borneo
Forscher der University of Exeter und Cardiff University untersuchten Dipterocarpen von 7 bis 71 Meter Höhe während der intensiven El‑Niño‑Dürre von 2023‑2024. Sie maßen die Dimensionen der Xylem‑Gefäße, die hydraulische Leitfähigkeit und die Blattreaktion auf Wasserstress. Gleichzeitig wurden das jährliche Stammbauhintergrund sowie das Wachstum vor, während und nach der Dürre dokumentiert.
Unerwartete Anpassungen
Die Resultate waren verblüffend. In den unteren Stammbereichen wurden die Leitgefäße breiter, was den Wasserfluss erheblich erleichtert. Zudem zeigte sich, dass die Blätter der höchsten Bäume erst bei deutlich höherer Dehydrierung welken – sie besitzen also eine größere Toleranz gegenüber Wasserdefiziten. Während der El‑Niño‑Phase wuchsen die höchsten Exemplare mit einer Rate, die kaum hinter den jüngeren Bäumen zurückblieb.
Implikationen für das Klima
Die Forschung hat weitreichende Konsequenzen. Laut Paulo Bittencourt, einem der Leitenden, speichert das oberste Prozent der Baumhöhen mehr als die Hälfte des oberirdischen Kohlenstoffs in Wäldern. Wenn Modelle davon ausgehen, dass diese Bäume durch Trockenheit stark zurückgehen, könnte das die zukünftigen CO₂‑Bilanzprognosen verzerren. Die neuen Befunde legen nahe, dass die Annahme einer erhöhten hydraulischen Empfindlichkeit überdacht werden muss.
Ausblick und offene Fragen
Trotz der überzeugenden Belege betonen die Wissenschaftler, dass weitere Untersuchungen nötig sind, um die genetischen Grundlagen und die Langzeiteffekte wiederholter Dürreereignisse zu verstehen. Insbesondere die Fähigkeit, schnell auf wechselnde klimatische Bedingungen zu reagieren, bleibt ein spannendes Forschungsthema.
Source: https://scientias.nl/reuzenbomen-blijken-beter-bestand-tegen-droogte-dan-gedacht/