Ein überraschendes Ergebnis aus Cambridge
Ein aktuelles Forschungsprojekt der University of Cambridge hat gezeigt, dass Hummeln deutlich stärker von Schwermetallen belastet werden als Honigbienen – selbst wenn beide Insekten im gleichen Landschaftsraum nach Nektar und Pollen suchen. Die Ergebnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Ecological Entomology, werfen ein neues Licht auf die bislang vorwiegend mit Honigbienen verbundenen Umweltmonitorings.
Welche Metalle sind betroffen?
Untersucht wurden typische Schadstoffe wie Arsen, Cadmium, Chrom, Kobalt, Blei und Zinn. Diese gelangen über Bergbau, Verkehr, landwirtschaftliche Düngemittel oder verunreinigtes Gülle in die Natur und können sich auf Blüten und im Pollen anreichern. Selbst in relativ unverschmutzten Regionen wie Cambridgeshire zeigen sich jedoch signifikante Unterschiede zwischen den beiden Bienenarten.
Methodik: Pollenfallen und Körperanalysen
Die Wissenschaftler stellten neben Bienenstöcken mehrere Pollenfallen auf, sammelten das von Hummeln und Honigbienen gesammelte Staubkorn‑Pollen und analysierten anschließend die Metallkonzentrationen sowohl im Pollen als auch im Körper der erwachsenen Insekten. Dabei stellte sich heraus, dass das Pollen der Hummeln in den meisten Fällen zwei‑ bis sieben‑mal höhere Schwermetallwerte aufwies.
Warum Hummeln stärker belastet werden
Ein wesentlicher Grund liegt in den unterschiedlichen Flug- und Sammelgewohnheiten. Honigbienen können Distanzen von bis zu zehn Kilometern zurücklegen und besuchen damit ein breiteres Spektrum an Blüten. Durch diese Diversität wird die Belastung pro Pollenmenge relativ verwässert. Hummeln hingegen bleiben meist im Umkreis von zwei Kilometern um ihr Nest und sammeln Pollen von einer begrenzteren Pflanzenvielfalt. Treffen sie dabei auf stark belastete Blüten, akkumuliert das Gift in ihrem Pollen und Körper deutlich stärker.
Folgen für die Insektenpopulation
Obwohl die gemessenen Konzentrationen in den meisten Fällen nicht tödlich waren, kann sogar eine geringe Belastung das Lern‑ und Gedächtnisvermögen der Bienen beeinträchtigen, die Navigation erschweren und die Fortpflanzungsfähigkeit mindern. Langfristig kann das das Überleben ganzer Kolonien gefährden und hat potenzielle Auswirkungen auf die Bestäubungsleistung in Agrar- und Naturlandschaften.
Implikationen für das Monitoring
Die Studie verdeutlicht, dass die ausschließliche Verwendung von Honigbienen als Indikator für Umweltverschmutzung unzureichend sein kann. Um ein umfassenderes Bild zu erhalten, sollten künftig auch andere Bestäuber wie Hummeln in Umweltmonitorings einbezogen werden.
Die Erkenntnisse von Sarah Scott und ihrem Team unterstreichen die Notwendigkeit, die Belastung von Ökosystemen differenzierter zu betrachten und Maßnahmen zur Reduktion von Schwermetallemissionen zu verstärken.
Source: https://scientias.nl/hommels-blijken-meer-last-te-hebben-van-zware-metalen-dan-gedacht/#respond