Einleitung

Jedes Herbstwochenende strömen Zehntausende Läufer durch das flache Stadtzentrum von Berlin, um an einem der schnellsten Marathons der Welt teilzunehmen. Die Strecke ist seit fast drei Jahrzehnten nahezu unverändert, was sie zu einem idealen Prüfstand für langfristige Trendanalysen macht. Eine aktuelle Auswertung von über 870 000 Finishzeiten enthüllt ein überraschendes Geschlechtermuster: Während Männer im Durchschnitt schneller über die Zieluhr laufen, brechen sie in der zweiten Hälfte des Rennens deutlich öfter zusammen – das umgangssprachlich als "gegen die Mauer laufen" bezeichnete Phänomen.

Datenbasis und Methodik

Der Datensatz umfasst sämtliche Finisher der Berlin Marathon von 1999 bis 2025. Insgesamt 76 % der Teilnehmenden waren männlich, das mediane Alter lag zwischen 35 und 49 Jahren. Für die Analyse wurde ein deutlicher Tempoeinbruch definiert: Ein Rückgang von mindestens 20 % zwischen der ersten und der zweiten Hälfte gilt als "Mauer". Diese Schwelle spiegelt physiologische Prozesse wider, bei denen der Körper zunehmend auf die weniger effiziente Fettverbrennung umschaltet, sobald die Glykogenspeicher erschöpft sind.

Ergebnisse im Überblick

Die durchschnittliche Zielzeit für Männer beträgt 4 Stunden 2 Minuten, für Frauen 4 Stunden 29 Minuten. Dennoch scheiterten 17,6 % der Männer an der definierten Mauer, während nur 9,7 % der Frauen dieses Schicksal teilten – fast die doppelte Quote. Bei den absoluten Schnellläufern (Finishtime < 3 Stunden) war das Verhältnis noch extremer: Unter den Männern erlitten 1,5 % einen drastischen Tempoabfall, bei den Frauen weniger als ein Viertel Prozent, also etwa das Sechsfache.

Warum halten Frauen ihr Tempo besser?

Ein Blick auf Zwischensplits alle fünf Kilometer zeigt, dass Frauen ein konstanteres Lauftempo beibehalten. Ihre Geschwindigkeitskurve schwankt weniger, und ein größerer Anteil bewältigt die gesamte Distanz ohne einen markanten Abfall. Männer hingegen zeigen zwar einen leicht späteren Zeitpunkt des Zusammenbruchs, der Abfall selbst ist jedoch stark ausgeprägter.

Mögliche Erklärungsansätze

Erstere Studien deuten darauf hin, dass Frauen im Verhältnis mehr Fett und weniger Kohlenhydrate als Energiequelle nutzen. Das schont die begrenzten Glykogenspeicher und verzögert das Erreichen der "Mauer". Zweitens könnte ein psychologisches Element eine Rolle spielen: Männer neigen in Wettkampfsituationen dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen und riskantere Rennstrategien zu wählen, etwa ein zu schnelles Antrittstempo, das später im Rennen zum Kollaps führt.

Grenzen der Untersuchung

Die Studie beschränkt sich ausschließlich auf die flache Strecke des Berlin Marathons. Ob dieselben Trends bei hügeligen Kursen, anderen Klimazonen oder weniger erfahrenen Läufern auftreten, bleibt bislang unbeantwortet. Künftige Forschung muss diese Variablen berücksichtigen, um ein umfassenderes Bild zu erhalten.

Source: https://scientias.nl/waarom-lopen-mannen-twee-keer-zo-vaak-tegen-de-muur-bij-een-marathon/

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