Erhöhtes Risiko für eine zweite Krebserkrankung
Die Diagnose Krebs zu überleben bedeutet nicht automatisch, dass die Gefahr endgültig abgewendet ist. Aktuelle Analysen zeigen, dass Millionen von Überlebenden ein signifikant erhöhtes Risiko für das Auftreten einer neuen, primären Tumorerkrankung tragen. Besonders Männer und älter werdende Patienten sind hiervon betroffen.
Welche Faktoren erhöhen die Gefahr?
Die Untersuchung basiert auf mehr als 3 Millionen Patientendaten aus den USA, die zwischen 1975 und 2019 gesammelt wurden. Dabei wurde deutlich, dass das Alter zum Zeitpunkt der Erstdiagnose und das männliche Geschlecht die beiden wichtigsten Prädiktoren für das Auftreten eines Zweittumors sind. Darüber hinaus spielt die Art des ersten Tumors eine entscheidende Rolle: Überlebende von Lungen‑, Blasen‑ und Hautkrebs weisen ein besonders hohes Risiko für ein neues Malignom auf.
Altersabhängigkeit und geschlechtsspezifische Unterschiede
Das Risiko steigt linear mit zunehmendem Alter. Bei Diagnosen vor dem zwanzigsten Lebensjahr ist das Risiko zwischen den Geschlechtern nahezu identisch. Sobald die Patienten älter sind, nimmt die Gefahr bei Männern jedoch schneller zu als bei Frauen. Besonders bei Lungen‑, Darm‑ und Hautmelanom‑Erkrankungen zeigen Männer eine ausgeprägtere Tendenz zu einem zweiten Tumor.
Ein interessanter Ausnahmefall betrifft Brustkrebspatientinnen: Hier bleibt das Risiko für ein zweites Malignom über alle Altersgruppen hinweg relativ konstant, während jüngere Frauen (unter 40) ein besonders hohes Risiko im Vergleich zu anderen Krebsarten haben. Bei Männern ist das Risiko für einen zweiten Darmtumor besonders ausgeprägt.
Veränderte Trends bei weiblichen Lungenkrebspatientinnen
Bei Frauen, die an Lungenkrebs überlebt haben, ist das Risiko für ein weiteres Malignom seit den 1970er‑Jahren um rund 60 % gestiegen. Diese Entwicklung wird vermutlich durch verändertes Rauchverhalten und verbesserte Überlebenschancen nach der Erstdiagnose erklärt, wodurch ein längerer Zeitraum für die Entstehung eines Zweittumors besteht.
Implikationen für die Nachsorge
Die wachsende Zahl von Krebspatienten, die langfrist überleben – in den USA wird bis 2035 mit über 22 Millionen Überlebenden gerechnet – verlangt nach einer differenzierten, risikobasierten Nachsorge. Insbesondere ältere Männer sollten intensiver überwacht werden, wenn ihre Erstdiagnose ein Lungen‑, Blasen‑ oder Hauttumor war.
Zusätzlich zu demografischen Merkmalen spielen Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Übergewicht und unausgewogene Ernährung eine bedeutende Rolle. Eine gezielte Aufklärung und präventive Maßnahmen können das Risiko eines Zweittumors reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig verbessern.
Die Forscher betonen, dass ihre Analyse sich auf die häufigsten Krebsarten konzentrierte; seltenere Tumoren und Subtypen wurden nicht im Detail betrachtet, was zukünftige Forschungsarbeiten noch weiter vertiefen sollten.
Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit, die Nachsorge individuell zu gestalten und besonders vulnerablen Patientengruppen erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken.
Source: https://scientias.nl/mannen-en-oudere-patienten-lopen-vaker-risico-op-een-tweede-kanker/