Einleitung

Die digitale Bildung ist ein entscheidender Baustein für mündige Bürger. Gleiches gilt für Open‑Source‑Software, die durch Transparenz und Freiheit besticht. Warum jedoch nicht alle mehr als 30.000 deutschen Schulen auf diese Technologie setzen, lässt sich anhand von drei Schlüsselfaktoren erklären: engagierte Vorreiter, unterstützende Verwaltung und politischer Rückhalt. Das erfolgt anhand der Praxis am Katharineum in Lübeck und im Harz.

Vorreiter in der Schule: Das Katharineum

Frank Poetzsch‑Heffter, stellvertretender Schulleiter und Informatiklehrer, hat vor über 25 Jahren die gesamte Schulgemeinschaft von Open‑Source überzeugt. Sein Ziel: Schülerinnen und Schüler arbeiten bereits im Unterricht mit Linux, lernen eigenständig Software zu installieren und verstehen, dass es Alternativen zu proprietären Systemen gibt. Heute besitzen alle Lehrkräfte und Lernenden schulinterne E‑Mail‑Adressen – ein Vorsprung gegenüber vielen anderen Einrichtungen, bei denen diese Struktur erst seit fünf Jahren eingeführt wird.

Der Netzwerkbetrieb umfasst 860 Lernende und 70 Lehrkräfte, 120 Laptops sowie 30 Arbeitsplätze im Computerraum. Die Geräte müssen täglich ab 8 Uhr startklar sein, ohne störende Updates. Die Verantwortung dafür übernimmt nicht nur der Schulleiter, sondern ein Schüler‑Team, das in der Computer‑AG die Rechner zusammenbaut, wartet und konfiguriert. "Open‑Source gibt uns Unabhängigkeit," betont eine Schülerin, "die Software ist frei, oft kostenlos und werbefrei – perfekt für den Schulalltag."

Rolle der Stadtverwaltung und IT‑Dienstleister

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit mit der kommunalen IT. In Lübeck leitet Tobias Stahl eine spezialisierte IT‑Abteilung, die ausschließlich für Schulen zuständig ist. Gemeinsam mit den Stadtwerken betreiben sie die Netzinfrastruktur, die zu großen Teilen auf Linux basiert. Diese einheitliche Plattform erleichtert Wartung, Skalierbarkeit und Sicherheit und schafft die technische Basis für flächendeckende Open‑Source‑Nutzung.

Bildungsföderalismus und finanzielle Voraussetzungen

Die Umsetzung digitaler Projekte hängt stark vom föderalen Bildungssystem ab. Lehrkräfte stehen in der Verantwortung ihrer jeweiligen Bundesländer, die zugleich die Geräteversorgung regeln. Finanzstarke Schulträger können Breitbandanschlüsse und Lernplattformen bereitstellen, schwächere hingegen bleiben hinter den Möglichkeiten zurück. Deshalb sind engagierte Pioniere wie Poetzsch‑Heffter unverzichtbar, um trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen Fortschritte zu erzielen.

Fehlende Datenerhebung und Ausblick

Ein großes Defizit besteht darin, dass weder das Bildungsministerium noch kommunale Verbände systematisch erfassen, wie viele Schulen Open‑Source‑Lösungen einsetzen. Ohne verlässliche Zahlen bleibt die Erfolgsmessung lückenhaft. Dennoch zeigen die Beispiele aus Lübeck und dem Harz, dass mit persönlichem Engagement, stabiler Verwaltungsunterstützung und politischem Willen die Open‑Source‑Revolution an Schulen greifbar wird.

Für weitere Informationen und aktuelle Entwicklungen folgen Sie dem Originalartikel.

Source: https://netzpolitik.org/2026/vorreiter-verwaltung-und-politischer-rueckhalt-wie-open-source-in-die-schulen-kommt/

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