Ein mutiger Schritt in die digitale Unabhängigkeit
Das nördliche Bundesland Schleswig-Holstein hat ein ambitioniertes Projekt gestartet: Rund 60.000 Arbeitsplätze in der gesamten Landesverwaltung sollen von proprietären Microsoft‑Lösungen auf Open‑Source‑Software umgestellt werden. Staatskanzleichef Dirk Schrödter erklärt, warum die bisherige Abhängigkeit von geschlossenen Systemen die digitale Souveränität des Staates gefährdet hat.
Warum proprietäre Software ein Risiko darstellt
Bis vor kurzem dominierte Microsoft Office, Windows und Exchange die Behörden-IT. Solche Programme besitzen geschlossenen Quellcode, was bedeutet, dass weder die Funktionsweise noch die Sicherheit von außen überprüft werden kann. Lizenzgebühren werden an die Anbieter gezahlt, während die Kontrolle über Daten, Updates und individuelle Anpassungen beim Hersteller bleibt. Für eine staatliche Institution, die öffentliche Mittel verwaltet, stellt das ein unvertretbares Risiko dar, insbesondere im Kontext des US‑Cloud‑Acts, der es US‑Anbietern ermöglicht, auf gespeicherte Daten zuzugreifen – egal wo sie physisch liegen.
Der Weg zur digitalen Souveränität
Um die Abhängigkeit zu durchbrechen, setzt Schleswig-Holstein schrittweise auf freie Software. Microsoft Office wird durch LibreOffice ersetzt, Windows weicht dem Betriebssystem Linux, und die ehemals genutzten Exchange‑ und Outlook‑Dienste weichen Open‑Xchange und Thunderbird. In einem einzigen Migrationslauf wurden über 44.000 Postfächer mit rund 110 Millionen Kalendereinträgen und E‑Mails auf die neue Plattform übertragen. Das Projekt ist damit eines der größten IT‑Umstellungen im öffentlichen Sektor weltweit.
Herausforderungen und Chancen
Die Landesverwaltung deckt ein breites Spektrum ab – von innerer Sicherheit über Finanzwesen bis hin zu Bildung und Umwelt. Mit 37 Ausbildungsberufen und 60.000 Beschäftigten ist die IT‑Landschaft äußerst heterogen. Die Umstellung erfordert nicht nur technisches Know‑how, sondern auch organisatorisches Geschick, um den laufenden Betrieb nicht zu gefährden. Gleichzeitig eröffnet die offene Architektur neue Möglichkeiten: Behörden können die Software an eigene Bedürfnisse anpassen, Kosten für Lizenzen einsparen und die Datensicherheit nach eigenen Vorgaben gestalten.
Ein Blick in die Zukunft
Schrödter betont, dass das Projekt bereits jetzt einzigartig sei, weil es die Größe einer gesamten Behörde in ein Open‑Source‑Ökosystem integriert. Die Idee, digitale Souveränität zu stärken, könnte als Vorbild für weitere Bundesländer und sogar für Bundesbehörden dienen. Der Erfolg hängt jedoch davon ab, wie reibungslos die Migration verläuft und wie gut die Mitarbeitenden mit den neuen Tools umgehen.
Source: https://www.n-tv.de/politik/Was-wir-gerade-machen-ist-einzigartig-id30900768.html