Ein neuer Auftrag für Relativity Space
Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat ein ambitioniertes Projekt an das junge Raketenunternehmen Relativity Space vergeben, das im vergangenen Jahr von dem ehemaligen Google‑Chef Eric Schmidt übernommen wurde. Die Mission, die unter dem Codenamen Aeolus läuft, soll ein Satellitensystem in den Orbit des Roten Planeten bringen, das dort täglich globale Messungen der Atmosphäre durchführt. Damit steht das Unternehmen in direkter Konkurrenz zu Elon Musks SpaceX, das bislang noch keine eigenständige Marsmission realisiert hat.
Die Aeolus‑Mission
Aeolus wird vier wissenschaftliche Instrumente transportieren, die Staub, Windgeschwindigkeit und Temperatur des Mars in bisher unerreichter Auflösung kartieren. NASA erhofft sich dadurch nicht nur ein besseres Verständnis des Klimas des Planeten, sondern auch wertvolle Daten, die zukünftige Landungen und bemannte Missionen sicherer machen. Der Vertrag ähnelt früheren Partnerschaften, bei denen die Behörde die wissenschaftliche Ausrüstung liefert und das private Unternehmen die kostengünstige Infrastruktur bereitstellt.
Technologie und Zeitplan
Relativity soll das komplette Raumfahrzeug sowie die Trägerrakete, den Terran R, konstruieren und bis 2028 starten. Der Zeitrahmen ist äußerst eng: innerhalb von nur fünf Jahren muss ein einsatzfähiger Satellit gebaut, getestet und in den Weltraum gebracht werden. Das Unternehmen setzt auf den intensiven Einsatz von 3‑D‑Druck, um die Fertigungskosten zu senken und die Produktionsgeschwindigkeit zu erhöhen. Der Terran R ist ein größerer Ableger des gescheiterten Terran 1‑Prototyps, der 2023 in die Luft ging, aber während des Flugs versagte.
Risiken und Chancen
Der Deal birgt für beide Seiten erhebliche Unsicherheiten. Relativity ist nach wie vor ein unbewiesener Akteur – vergangene Startup‑Partnerschaften mit NASA endeten teilweise in Insolvenz oder fehlgeschlagenen Missionen. Gleichzeitig eröffnet die Zusammenarbeit neue Marktchancen: Erfolgreiche Starts könnten das Unternehmen für kommerzielle Satellitenstarts oder Mond‑Ladungen attraktiv machen. Für die NASA bedeutet das Modell, dass ein Teil der Entwicklungskosten auf den privaten Partner übergeht, während die Behörde ihr Budget für weitere Forschungsprojekte freisetzt.
Der Einfluss von Eric Schmidt
Eric Schmidt, der 2023 zum Mehrheitsaktionär und CEO von Relativity aufstieg, hat die Finanzierung des Unternehmens stark angekurbelt. Obwohl Details zu seiner Investition nicht veröffentlicht wurden, soll Schmidt ein langfristiges Interesse an weltraumbasierten Datenzentren und einem geplanten Weltraumteleskop namens Lazuli haben, das von seiner Familienstiftung Schmidt Sciences unterstützt wird. Sein Einstieg in die Raketentechnologie wirft Fragen auf, weil das Feld von wenigen, kapitalintensiven Spielern dominiert wird, doch der aktuelle Bedarf nach neuen Trägersystemen – besonders angesichts von Verzögerungen bei Blue Origin – könnte seine Wette lohnenswert machen.
Der Auftrag stellt damit nicht nur einen Meilenstein für Relativity Space dar, sondern intensiviert auch den globalen Wettbewerb um die erste dauerhafte Präsenz am Mars. Während SpaceX weiterhin seine eigenen Pläne verfolgt, könnte die Kombination aus NASA‑Wissenschaft und Schmidts finanzieller Macht Relativity einen entscheidenden Vorsprung verschaffen.