Einführung

Die Europäische Kommission hat im Rahmen ihres Tech‑Sovereignty‑Pakets eine neue Open‑Source‑Strategie veröffentlicht. Ziel ist es, die Abhängigkeit von außereuropäischen Software‑Anbietern zu verringern und die Kontrolle über kritische digitale Infrastrukturen zurückzugewinnen. Laut Digitalkommissarin Henna Virkkunen sollen die vorhandenen Ressourcen in Europa stärker genutzt werden, um die eigene Zukunft selbst zu bestimmen.

Warum Open Source jetzt entscheidend ist

In Europa gibt es mehr als drei Millionen Open‑Source‑Entwicklerinnen und -Entwickler sowie rund 500 profitorientierte Unternehmen, die aktiv an frei zugänglichen Projekten mitwirken. Trotzdem fließen jährlich über 260 Milliarden Euro für digitale Produkte aus Nicht‑EU‑Ländern in den Markt. Die Kommission betont, dass ein großer Teil der finanziellen Wertschöpfung aus europäischen Open‑Source‑Initiativen derzeit außerhalb des Kontinents abfließt.

Von der Forschung bis zur Wartung

Die neue Leitlinie deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab: Beginnend bei Grundlagenforschung und Prototypentwicklung, über die Markteinführung, bis hin zur langfristigen Pflege und Steuerung von Schlüssel­komponenten. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf kritischen Systemen, deren Ausfall gravierende Folgen für Wirtschaft und Sicherheit haben könnte.

Politischer Durchbruch

OpenForum Europe bezeichnet den Schritt als „definierenden Moment“, weil die EU erstmals einen umfassenden regulatorischen Rahmen für Open‑Source‑Software geschaffen hat. Die Initiative erkennt Open Source als Motor für Souveränität, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft an – statt es lediglich als Kosten‑Spar‑Instrument zu sehen.

Konkrete Finanzmittel

Die Strategie sieht ein Investitionsvolumen von zwei Milliarden Euro über sieben Jahre vor, das sowohl aus öffentlichen als auch aus privaten Quellen gespeist wird. Weiterhin sollen bis 2030 mindestens 30 Millionen Nutzerinnen und Nutzer offene Kollaborationstools einsetzen. Ein eigens entwickeltes Wartungsinstrument soll die Verfügbarkeit kritischer Open‑Source‑Komponenten sichern.

Auswirkungen auf die öffentliche Beschaffung

Öffentliche Verwaltungen sollen zu „Ankerkunden“ werden und damit aktiv zum Open‑Source‑Ökosystem beitragen. Die Beschaffungsregeln werden künftig Open‑Source‑freundlicher gestaltet, um Hürden bei Ausschreibungen zu reduzieren. Ziel ist es, die Wiederverwendung vorhandener Software zu erhöhen und dadurch Kosten zu senken.

Integration in digitale Geldbörsen

Ein weiterer Baustein ist die Verknüpfung mit den europäischen E‑Wallet‑Lösungen Eudi‑Wallet und European Business Wallet. Durch die Einbettung von Open‑Source‑Komponenten direkt in diese Projekte soll ein konsistenter Technologie‑Stack entstehen, der Unabhängigkeit und Interoperabilität gewährleistet.

Die geplante Reform des EU‑Vergaberechts könnte die vorgestellten Maßnahmen künftig rechtlich bindend machen und damit den Wandel von einer bloßen Absichtserklärung zu einer durchsetzbaren Politik beschleunigen.

Source: https://netzpolitik.org/2026/neue-toene-aus-bruessel-open-source-soll-europa-unabhaengiger-machen/

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