Neue EU‑Open‑Source‑Strategie: Ein Überblick

Am vergangenen Mittwoch stellte die EU‑Kommission im Rahmen ihres "Tech Sovereignty Package" eine ambitionierte Open‑Source‑Strategie vor. Ziel ist es, die digitale Unabhängigkeit des Kontinents zu festigen und die bisherige Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern in kritischen Bereichen zu verringern. Digitalkommissarin Henna Virkkunen betonte, dass Europa das Potenzial seiner eigenen Entwickler‑Community nutzen müsse, um die Kontrolle über die technologische Zukunft zu behalten.

Warum Open Source?

In Europa gibt es über drei Millionen aktive Mitwirkende und rund 500 profitorientierte Open‑Source‑Firmen. Dennoch fließen jährlich mehr als 260 Milliarden Euro für digitale Produkte aus Nicht‑EU‑Ländern. Die Kommission argumentiert, dass erhebliche wirtschaftliche Werte durch Open‑Source‑Projekte generiert werden, die Gewinne jedoch häufig außerhalb Europas abgesaugt werden. Durch einen gezielten Ausbau von Open‑Source‑Lösungen will die Union diesen Kapitalabfluss stoppen und heimische Innovationskraft stärken.

Wichtige Eckpunkte der Strategie

Der Plan deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – von Grundlagenforschung über Entwickler‑Tools bis hin zur langfristigen Wartung kritischer Komponenten. Konkrete Maßnahmen umfassen die Mobilisierung von zwei Milliarden Euro über sieben Jahre, wobei sowohl öffentliche als auch private Investoren einbezogen werden. Zusätzlich wird ein spezielles Wartungsinstrument für Schlüssel‑Infrastrukturen eingerichtet, um die Verfügbarkeit und Sicherheit von Open‑Source‑Software zu gewährleisten. Ein weiteres ambitioniertes Ziel ist die Erreichung von 30 Millionen Nutzerinnen und Nutzern offener Kollaborationstools bis zum Jahr 2030.

Politische Bedeutung und rechtlicher Rahmen

Die Initiative markiert einen Wendepunkt in der europäischen Digitalpolitik. Erstmal wird Open Source nicht mehr als reine Kosten‑Sparmaßnahme, sondern als Fundament für einen eigenen Technologie‑Stack betrachtet. Die Open Source Initiative begrüßt die vorgestellten Maßnahmen, die den Einstieg neuer Projekte in Europa erleichtern und Hindernisse bei öffentlichen Ausschreibungen abbauen sollen. Gleichzeitig steht eine bevorstehende Reform des EU‑Vergaberechts an, die die rechtliche Verbindlichkeit der Strategie stärken könnte.

Umsetzung in der Praxis

Öffentliche Verwaltungen sollen zu "Ankerkunden" werden und aktiv zur Weiterentwicklung des Open‑Source‑Ökosystems beitragen. Durch "Open‑Source‑freundlichere" Beschaffungsprozesse soll die Wiederverwendung bereits entwickelter Software erleichtert werden. Interessant ist die Verknüpfung mit den digitalen EU‑Brieftaschen – dem Eudi‑Wallet und dem European Business Wallet – die Open‑Source‑Komponenten direkt in zentrale Projekte einbinden will. Die Zusammenarbeit mit dem Konsortium für eine europäische digitale Infrastruktur (EDIC) unterstreicht den kooperativen Ansatz, den die Union verfolgt.

Source: https://netzpolitik.org/2026/neue-toene-aus-bruessel-open-source-soll-europa-unabhaengiger-machen/

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