Ein Rückblick auf den allerersten Kuss

Man erinnert sich selten an das erste Mal, wenn die Lippen eines anderen Kindes plötzlich die eigenen berühren. In der ersten Klasse, im Schatten alter Eichen und Kiefern, spielten wir ein vorpubertäres Drama, das heute eher als skurrile Komödie erscheint. Die Erzählerin beschreibt, wie das bloße Wort "Kuss" ihr ein unangenehmes Kribbeln im Bauch verursachte, doch das Gruppendruck-Feeling ließ sie dennoch in das Spiel einsteigen.

Der Spielplatz als Bühne

Der Schulhof dieser 1970er‑Jahre war noch ein wilder Wald. Dort standen majestätische Buchen, Ahornbäume und Kiefern, deren Wurzeln ein ungleiches Terrain bildeten. Kinder liefen, schrien, jagten einander mit aufgesetzten Kuss‑Pausen, während das Wort "Cooties" wie ein Geheimspruch in den Ohren hallte. Inmitten dieses Chaos fokussierte die Erzählerin ihren Blick auf einen Jungen namens Shaun Paul – einen der wenigen Mi’kmaq‑Kinder in der Klasse.

Shaun trug eine rote, leicht flauschige Bluse, blaue Jeans und hatte glänzendes, dunkles Haar. Er wirbelte zwischen den mobilen Klassenzimmern hin und her, während die Erzählerin ihm mit spielerischen Kuss‑Geräuschen hinterherlief. Die Situation eskalierte, als Shaun über eine Wurzel stolperte, die Erzählerin hinter ihm hervorsprang und mit dem Kopf zuerst auf seine Lippen aufschlug.

Der ungewollte Moment

Der Aufprall war unvermittelt: Mund-zu‑Mund‑Kontakt, ein kurzer Moment des Staunens, gefolgt von panischer Selbstschutz‑Reflexion. Sie sprang sofort auf, wischte sich den Mund ab und spuckte gedanklich alle vermeintlichen „Bakterien“ fort. Shaun hingegen sah sie mit treuen Welpenaugen an, völlig unfähig, den Augenblick zu deuten.

Die Erzählerin schildert das Ereignis mit einer Mischung aus Humor und Selbstironie. Sie vergleicht ihr damaliges Verhalten – das Stecken von Nadeln in die Finger, das Trinken von Milch bis zum Nasenlaufen und das ziellose Umherirren wie ein Zombie – mit der scheinbaren Leichtigkeit, mit der andere Kinder das Spiel der „Lust“ spielten.

Was wir heute daraus lernen

Der Text ist nicht nur eine nostalgische Anekdote; er wirft einen Blick darauf, wie kindliche Neugier, sozialer Druck und kulturelle Unterschiede zusammenfließen. Shaun und die Erzählerin waren die einzigen indigenen Kinder ihrer Klasse, was ihr gemeinsames Erlebnis noch stärker herausstellt. Das Erinnern an die alten Bäume, die längst durch einen ungepflegten Rasen ersetzt wurden, verstärkt das Gefühl von Verlust – nicht nur des Ortes, sondern auch einer unbeschwerten, rohen Phase des Erwachsenwerdens.

Der Beitrag endet mit einem Hinweis auf die Plattform Narratively, die ihre Leser*innen ermutigt, weitere Mini‑Essays zu entdecken. Er erinnert uns daran, dass jede Erinnerung, egal wie peinlich sie erscheinen mag, ein wertvoller Baustein unserer persönlichen Geschichte ist.

Source: https://www.narratively.com/p/running-around-in-prepubescent-lust

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