Ein skurriles Experiment aus Neuseeland

Forscher der University of Canterbury wollten herausfinden, wie stark sich unehrliche Antworten auf Befragungen zu Verschwörungstheorien auswirken. Dazu stellten sie den Teilnehmenden 13 absurde Behauptungen, unter anderem die Idee, dass das kanadische Militär heimlich genetisch veränderte Riesenwaschbären züchtet, um Nachbarländer anzugreifen. Die Frage nach dieser außergewöhnlichen Theorie diente als Test, um Spieler zu identifizieren, die bewusst falsche Angaben machen.

Methodik und Stichprobe

Insgesamt 810 Personen aus Neuseeland füllten den Fragebogen aus. Zu den Themen gehörten klassische Verschwörungsmythen wie Impfungen und Autismus, 5G‑Technologie und die vermeintliche Verbreitung von Corona. Nach jeder Aussage wurden die Befragten direkt gefragt, ob sie jemals eine Antwort aus Spaß angegeben hätten. Zusätzlich war die Teilnahmevergütung unabhängig vom jeweiligen Ergebnis zugesichert, sodass kein finanzieller Anreiz für ehrliche Antworten bestand.

Ergebnisse: Wer ist der "Troll"?

Rund 13 % der Befragten gaben zu, zumindest einmal nicht ernsthaft geantwortet zu haben – das entspricht etwa einem von acht Teilnehmenden. Diese Gruppe verzerrte die Resultate deutlich. Beispielsweise glaubten nur 3,3 % der ehrlichen Befragten, dass das US-Militär die Erdbeben von 2010/2011 in Christchurch mit elektromagnetischen Pulsen verursacht hat, während in der Gesamtheit 7,5 % dieser Meinung waren. Ähnliche Unterschiedsbilder zeigten sich bei fast allen gestellten Theorien.

Widersprüchliche Überzeugungen

Ein weiteres interessantes Phänomen war das gleichzeitige Akzeptieren von logisch unvereinbaren Aussagen. Bei den ehrlichen Teilnehmenden stimmten weniger als 1,5 % beiden widersprüchlichen Behauptungen zu (z. B. dass das Coronavirus nicht existiere und gleichzeitig 5G‑Masten es verbreiten), während bei den Trollen fast ein Viertel dies bejaht hat. Fast drei Viertel aller Personen, die solche Kombinationen akzeptierten, gehörten zur Gruppe der unehrlichen Antworten.

Motivation hinter den falschen Angaben

Als man die Personen, die an die Waschbär‑Theorie glaubten, nach ihrer Motivation fragte, gestand nur ein kleiner Teil offen, dass es sich um einen Scherz handelte. Andere Antworten waren vage („großartige Umfrage“, „es gibt bestimmte Risiken“) oder sogar identisch formuliert, was darauf hindeutet, dass automatisierte Bots die Umfrage manipulierten.

Implikationen für die Forschung

Die Studie zeigt, dass Medienberichte, die hohe Prozentsätze von Menschen angeben, die an absurde Verschwörungstheorien glauben, stark übertrieben sein können. Sobald die „Troll‑Antworten“ herausgefiltert werden, sinken die Zustimmungsraten erheblich. Dennoch bleiben etablierte Zusammenhänge – etwa das erhöhte Misstrauen von Verschwörungsgläubigen gegenüber Institutionen – bestehen, wenn auch in abgeschwächter Form. Wissenschaftler müssen künftig robustere Methoden einsetzen, um spielerische oder automatisierte Verzerrungen zu erkennen und zu eliminieren.

Source: https://scientias.nl/geloof-jij-in-een-geheim-leger-genetisch-gemanipuleerde-reuzenwasberen-iets-te-veel-mensen-zeggen-ja/

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