Einleitung: KI im gesellschaftlichen Diskurs

Künstliche Intelligenz wird häufig als Allheilmittel für Wirtschaftswachstum und Prozessoptimierung angepriesen. Hinter diesem Optimismus jedoch formieren sich kritische Positionen, die vor den Gefahren einer unkontrollierten Technologie warnen. Auf der Berliner Konferenz „Cables of Resistance – Bewegungskonferenz gegen Big Tech“ trafen sich Expert*innen, um Widerstandsstrategien zu erarbeiten. In den Gesprächen mit der Ökonomin Aline Blankertz und dem Juristen Malte Engeler wurden zentrale Argumente gegen die ungebremste Verbreitung von KI dargelegt.

Autoritäre Anfälligkeit großer Datenmodelle

Engeler definiert KI als massive Lernsysteme, die aus umfangreichen Datensätzen Muster extrahieren und daraus neue Inhalte generieren – von Texten über Bilder bis hin zu Entscheidungen in Militär, Verwaltung oder Bildung. Laut ihm ist diese Architektur von vornherein für autoritäre Machenschaften attraktiv, weil sie zentrale Datenhoheiten schafft und Machtbefugnisse in wenigen Händen konzentriert. Die Technologie sei nicht fehlerhaft, sondern inhärent dafür gebaut, Kontrolle zu ermöglichen.

Transhumanistische Visionen und ihre Ideologie

Blankertz führt den Diskurs weiter zu transhumanistischen Projekten wie der „künstlichen Gebärmutter“ oder Neuralink. Sie erklärt, dass diese Ideen aus einer weißen, cis‑männlichen Perspektive stammen und das Ziel verfolgen, menschliche Reproduktion und kognitive Fähigkeiten technisch zu steuern. Obwohl solche Konzepte noch nicht voll ausgereift sind, teilen sie den gleichen ideologischen Kern wie die KI‑Entwicklung: die Substitution organischer Prozesse durch algorithmische Systeme.

Strategien der Sabotage und Demokratisierung

Beide Gesprächspartner betonen die Notwendigkeit politischer Organisation, um die Kontrolle über digitale Infrastrukturen zurückzugewinnen. Sie plädieren für die Vergesellschaftung von Plattformen, die essentielle Dienste wie Wohnungssuche oder Arztterminbuchungen bereitstellen. Durch gemeinschaftliche Eigentumsformen und transparente Governance könne man der Monopolisierung entgegenwirken und die demokratische Teilhabe stärken.

Praktische Ansätze für den Widerstand

Zu den konkreten Maßnahmen zählen die Förderung freier, dezentraler Alternativen, rechtliche Rahmenbedingungen, die Datenhoheit schützen, sowie Bildungsinitiativen, die das kritische Denken gegenüber algorithmischer Entscheidungsfindung schärfen. Engeler weist darauf hin, dass solche Aktionen nicht im Keller, sondern im offenen öffentlichen Diskurs stattfinden müssen, um wirksam zu sein.

Fazit: Gegen die unreflektierte Technologisierung

Die Interviews verdeutlichen, dass KI nicht nur ein technisches, sondern ein politisches Problem darstellt. Ohne gezielte Gegenstrategien droht die Technologie, demokratische Strukturen zu untergraben und autoritären Akteuren neuen Spielraum zu geben. Die Berliner Konferenz dient dabei als Plattform, um diese Bedrohungen zu benennen und kollektive Handlungsoptionen zu entwickeln.

Source: https://netzpolitik.org/2026/widerstand-gegen-big-tech-ki-wollen-wir-in-unserer-befreiten-welt-nicht-haben/

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