Ein rascher Wandel auf einer kleinen Insel

Auf dem japanischen Inselchen Ishigaki haben Wissenschaftler ein erstaunliches Phänomen entdeckt: Riesenkröten, die dort vor knapp einem Jahrhundert eingeführt wurden, sind in weniger als einhundert Jahren deutlich größer, schwerer und körperlich umgeformt worden. Der Befund stellt die gängige Annahme, evolutionäre Veränderungen brächten Jahrtausende in Anspruch, eindrucksvoll in Frage.

Messungen und sofortige Ergebnisse

Zwischen April 2015 und Februar 2016 wurden 80 erwachsene Exemplare in ihrem natürlichen Habitat gefangen. Die Forscher maßen Körperlänge, Gewicht, Kopfbreiten sowie die Länge der Vorder‑ und Hinterbeinknochen. Diese Daten wurden anschließend mit historischen Messungen aus Populationen in Französisch‑Guyana, Hawaii und Australien verglichen.

Die Analyse offenbarte klare Unterschiede: Die Ishigaki‑Krähen wiegen im Schnitt rund 190 g, während ihre Verwandten außerhalb Japans nur etwa 135 g wiegen. Auch die Gesamtlänge betrug durchschnittlich 122 mm im Vergleich zu 111 mm bei den anderen Gruppen. Doch die Veränderung beschränkte sich nicht auf die reine Größe – die Kröten besitzen breitere Köpfe, kürzere Vorderbeine und deutlich längere Hinterbeine, ein Hinweis auf eine veränderte Körperarchitektur.

Gemeinsame Herkunft, divergente Entwicklung

Die untersuchten Populationen teilen eine bemerkenswerte Geschichte. Die Riesenkröte stammt ursprünglich aus dem Nordosten Südamerikas und wurde von Menschen über mehrere Kontinente verbreitet, um Schädlinge zu bekämpfen. Durch Zwischenstopps in Puerto Rico und Hawaii gelangte die Art nach Australien, bevor sie 1978 über Taiwan und die Daitō‑Inseln schließlich Ishigaki erreichte.

Da japanische und australische Populationen bis in die 1930er‑Jahre dieselben Vorfahren hatten, ist die rasante Divergenz innerhalb eines Jahrhunderts besonders bemerkenswert. Professor Rick Shine, einer der Studienautoren, betont: „Dass sich Größe und Form so schnell zwischen eng verwandten Gruppen differenzieren, zeigt, dass Evolution nicht zwangsläufig ein langsamer Prozess sein muss.“

Warum die Veränderung?

Die genauen Treiber dieser morphologischen Anpassung bleiben bislang unklar. Die Wissenschaftler diskutieren mehrere plausible Faktoren:

  • Ein beständiges, feuchtes Klima auf Ishigaki, das das Leben von Amphibien begünstigt.
  • Reichlich verfügbare Nahrungsquellen, insbesondere in von Reis‑ und Zuckerrohrfeldern dominierten Agrarlandschaften.
  • Ein möglicher Mangel an natürlichen Fressfeinden, der den Selektiondruck reduziert und größere Körper begünstigt.

All diese Bedingungen könnten zusammenwirken und die Evolution in kurzer Zeit beschleunigen. Invasive Arten wie die Riesenkröte fungieren dabei fast wie ein „natürliches Experiment“, das Aufschluss darüber gibt, wie Organismen in neuen Ökosystemen reagieren.

Implikationen für die Evolutionsbiologie

Der Befund aus Ishigaki liefert ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass evolutionäre Veränderungen unter den richtigen Umständen binnen weniger Generationen erfolgen können. Er unterstützt die wachsende Sichtweise, dass „langsamer“ und „schneller“ Evolution keine Gegensätze, sondern ein Kontinuum darstellen.

Weitere Forschung ist nötig, um die genauen Selektionsmechanismen zu identifizieren und zu verstehen, inwieweit ähnliche Muster bei anderen invasiven Arten zu erwarten sind.

Source: https://scientias.nl/de-padden-op-dit-japanse-eiland-veranderde-in-minder-dan-een-eeuw-aanzienlijk-van-vorm-en-formaat/#respond

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