Einleitung
Sexualisierte Deepfakes, die ohne Einwilligung erstellt und verbreitet werden, rücken seit der Geschichte von Collien Fernandes wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Videos zeigen scheinbar reale Personen in pornographischen Szenen – oft an Freunde, Bekannte oder Partner*innen gesendet – und landen schließlich auf großen Pornoplattformen. Die Betroffenen berichten von Panikattacken, Scham und einem Gefühl der Wertlosigkeit, das sie selbst als "virtuelle Vergewaltigung" beschreiben.
Die Reaktionen im Netz
Die Empörung ist nicht nur in den traditionellen Medien spürbar, sondern auch in den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke. Während ein Teil der Nutzerinnen und Nutzer fordern, dass das Verbreiten solcher Deepfakes strafbar sein muss, argumentieren andere, dass das bloße Erstellen zum privaten Vergnügen erlaubt bleiben sollte. Diese Haltung wird häufig mit dem Verweis auf die Freiheit der Gedanken gerechtfertigt – ein Argument, das von vielen als ignorant und empathielos wahrgenommen wird.
Empörung versus Verharmlosung
Ein zentraler Kommentar lautet: "Wenn sexuelle Deepfakes ohne Einverständnis verbreitet werden und psychische Schäden entstehen, sollte das strafbar sein – aber die reine Herstellung ohne Verbreitungsabsicht schadet doch niemandem." Diese Sichtweise ignoriert die psychischen Folgen, die bereits durch das Erzeugen und Besitzen der Manipulation entstehen können. Betroffene berichten von anhaltendem Stress, Angstzuständen und einem tiefgreifenden Vertrauensverlust – Symptome, die mit denen von physischer Gewalterfahrung vergleichbar sind.
Gesetzgeber am Werk
Das Bundesjustizministerium hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der das Erstellen sexualisierter Deepfakes ohne Zustimmung der abgebildeten Personen unter Strafe stellt. Der Entwurf befindet sich seit längerem in Bearbeitung, soll nun aber im Eilverfahren beschlossen werden. Kritiker zweifeln jedoch an der Wirksamkeit strafrechtlicher Regelungen, solange die technische Verbreitung im Netz kaum kontrollierbar bleibt.
Warum ein Gesetz nötig ist
Digitale Gewalt ist echte Gewalt. Die psychischen und physischen Folgen für die Betroffenen zeigen, dass die Schädigung nicht abstrakt, sondern konkret ist. Ohne rechtliche Rahmenbedingungen bleibt das Risiko, dass Täter*innen ungestraft handeln, bestehen – und das stärkt ein patriarchales Machtgefüge, das bereits vulnerablen Gruppen schadet.
Fazit: Sichtbarkeit als Schutz
Die Geschichte von Collien Fernandes hat gezeigt, dass das Ansprechen von digitaler Gewalt ein wichtiger Schritt ist, um gesellschaftliche Ignoranz zu durchbrechen. Medienberichte, offene Diskussionen und das Aufzeigen von Gesetzesinitiativen tragen dazu bei, das Phänomen aus dem Untergrund zu holen. Nur wenn die Öffentlichkeit das Ausmaß erkennt und klare rechtliche Grenzen gesetzt werden, kann die digitale Gewalterfahrung wirksam bekämpft werden.
Source: https://netzpolitik.org/2026/digitale-gewalt-das-lass-ich-mir-nicht-nehmen/