Ein mutiger Fluchtversuch im Schatten des Faschismus
Am Ende des Jahres 1944 stolperte die 92. Infanteriedivision der US-Armee in Italien über zwei erschöpfte Gestalten, die behaupteten, einem deutschen Konzentrationslager entkommen zu sein. Einer von ihnen, Reed Edwin Peggram, war ein hochgebildeter Afroamerikaner aus Boston, der sein Studium an der Harvard University abgeschlossen hatte. An seiner Seite kämpfte der dänische Student Gerdh Hauptmann – ein Freund, dessen Loyalität das Leben beider Männer rettete.
Der Hintergrund eines brillanten Geistes
Reed Peggram, geboren 1914, wuchs ohne Vater auf, nachdem sein Mannesvater nach dem Ersten Weltkrieg schwer verletzt zurückkehrte. Trotz dieser Widrigkeiten glänzte er bereits in der Boston Latin School, wo er als einziger Schwarzer in den Literatur‑ und Theaterclubs auffiel. Seine schulischen Leistungen brachten ihm einen Platz im ersten Quartal seiner Klasse ein und ermöglichten ihm später das Studium an der renommierten Harvard University, wo er sowohl einen Bachelor‑ als auch einen Masterabschluss erwarb und Mitglied der Phi Beta Kappa wurde.
Liebe, die Grenzen überschreitet
Während eines Auslandssemesters in Kopenhagen lernte Peggram den jungen Dänen Gerdh kennen. Die beiden verband nicht nur eine intellektuelle Freundschaft, sondern eine tiefe emotionale Bindung, die später als Liebesbeziehung interpretiert wird. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs entschieden sie sich, gemeinsam zu fliehen, selbst als das Nazi‑Regime begannen, systematisch Juden, Homosexuelle und politische Gegner zu verfolgen.
Die Flucht aus dem Lager
Laut eigenen Angaben verbrachten die beiden Männer nahezu zwei Jahre hinter Stacheldraht. Sie überstanden den Winter in den Apenninen, schwammen durch eisige Seen und fanden Zuflucht bei Partisanen, in Scheunen und Höhlen. Ihre Erzählungen, veröffentlicht von dem afro‑amerikanischen Kriegsberichterstatter Max Johnson, klangen zunächst zu fantastisch, um wahr zu sein. Johnson zweifelte an Peggrams Staatsbürgerschaft, weil dessen Akzent „deutlich britisch“ wirkte, und stellte die Echtheit der Geschichte infrage. Dennoch konnten die Berichte nicht übersehen, dass die beiden Männer trotz Hunger, Kälte und ständiger Gefahr unerschütterlich zusammenblieben.
Nachwirkungen und das Erbe
Nach dem Krieg blieb die Geschichte von Peggram und Hauptmann weitgehend unbeachtet, bis Ethelene Whitmire das Schicksal des Paares für ein neues Buch aufgriff, das von Penguin Random House publiziert wird. Die Erzählung wirft ein Schlaglicht auf die vielfachen Diskriminierungen, mit denen schwarze und queere Menschen im Krieg konfrontiert waren, und verdeutlicht, dass Mut und Zuneigung selbst unter den brutalsten Umständen überleben können.
Heute erinnert uns diese Geschichte daran, dass persönliche Bindungen und unerschütterlicher Mut tiefgreifende historische Veränderungen bewirken können – ein Beweis dafür, dass Liebe und Loyalität selbst die dunkelsten Kapitel der Geschichte herausfordern.
Source: https://www.narratively.com/p/the-gay-black-american-who-stared