Einleitung
Finnland ist berühmt für seine unzähligen Saunen – tatsächlich gibt es dort mehr Saunakabinen als Autos. Diese skandinavische Tradition wirft die Frage auf, ob wir in anderen Ländern öfter die Hitze suchen sollten. In einem aufschlussreichen Video der Universiteit van Nederland untersucht die Bewegungswissenschaftlerin Veerle de Haan von der Universität Maastricht, wie Saunagänge das Herz‑Kreislauf‑System trainieren und welche sozialen Effekte sie mit sich bringen.
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Im Experiment nimmt Probandin Niki eine Temperaturmess‑Pille ein, betritt anschließend eine 70 °C‑Sauna und kühlt sich danach in einem 15 °C‑Eisbaden ab. De Haan erklärt, dass das abwechselnde Auf‑ und Abwärmen die Blutgefäße dehnt, die Gefäßelastizität verbessert und das Herz stärker arbeiten lässt – ein Training, das vergleichbar mit moderatem Ausdauertraining ist. Wichtig sei jedoch, dass die Belastung nicht nach jeder Sportart als Regeneration gilt; nach intensiven Einheiten könne die zusätzliche Wärme den Erholungsprozess verlängern.
Mythen rund um Kälte und Hitze
Ein häufiges Gerücht besagt, dass Eisbäder das Immunsystem nahezu unverwundbar machen. De Haan weist darauf hin, dass es bislang keine belastbaren Belege dafür gibt. Während kalte Tauchbäder in sozialen Medien als „Heilmittel für alles“ gefeiert werden, sei die wissenschaftliche Evidenz dafür noch lückenhaft. Im Gegensatz dazu sei die Sauna zwar nicht als Wundermittel zu verstehen, doch ihre positiven Effekte auf die Gefäßgesundheit seien gut dokumentiert.
Soziale Dimension der Sauna
Ein besonders faszinierender Aspekt ist die gemeinschaftliche Nutzung. In Finnland gehen Kolleginnen und Kollegen nach der Arbeit gemeinsam in die Sauna – ein Ritual, das nicht nur körperliche, sondern auch soziale Vorteile bietet. De Haan berichtet von einem Saunakongress in Oslo, bei dem Wissenschaftler, Architekten und Saunatechniker zusammenkamen. Dort wurde betont, dass das Saunieren seit Jahrhunderten ein kollektives Ereignis ist: Vor dem Hausbau versammelten sich Dorfbewohner, um gemeinsam eine Sauna zu errichten.
Sauna gegen Einsamkeit?
Studien aus England untersuchen, ob öffentliche Saunalandschaften die Schwelle für den Besuch senken und gleichzeitig Einsamkeit, Depressionen und Stress mindern können. Erste Ergebnisse zeigen, dass bereits ein einziger Saunagang das Wohlbefinden steigern kann. In einer zunehmend individualisierten Gesellschaft könnte das gemeinsame Schwitzen ein Gegenmittel gegen soziale Isolation sein.
Fazit
Die finnische Sauna ist mehr als nur ein Ort zum Schwitzen. Sie kombiniert physiologische Vorteile – etwa die Stärkung des Herz‑Kreislauf‑Systems – mit einer tief verwurzelten sozialen Komponente. Während Mythen über Kältebäder skeptisch zu betrachten sind, bietet die kontrollierte Hitze ein bewährtes Mittel zur Gefäßgesundheit. Wer also das nächste Mal überlegt, das Auto stehen zu lassen, könnte ein Saunabesuch eine lohnende Alternative sein.
Source: https://scientias.nl/finland-heeft-meer-saunas-dan-autos-moeten-wij-ook-vaker-gaan/