Strategischer Wandel bei FedEx
Die Logistikgigantin FedEx hat sich entschieden, externe Spezialisten für die Automatisierung ihrer Lagerhallen zu engagieren, anstatt ausschließlich eigene Robotiksysteme zu entwickeln. Dieser Ansatz, den das Unternehmen in einer mehrjährigen Zusammenarbeit mit dem SoftBank‑Tochterunternehmen Berkshire Grey umsetzt, soll die Geschwindigkeit und Effizienz steigern, die erforderlich ist, um im Wettbewerb mit rivals wie Amazon mitzuhalten.
Die Partnerschaft mit Berkshire Grey
Im Rahmen einer nicht‑exklusiven Kooperation haben FedEx und Berkshire Grey den Prototyp „Scoop“ entwickelt – einen mobilen Roboter, der massive Paketstapel aus Transportfahrzeugen entladen kann. Der Bot ist darauf ausgelegt, schwere, repetitive und potenziell gefährliche Aufgaben zu übernehmen, sodass menschliche Mitarbeitende weniger körperlich belastet werden.
Derzeit befindet sich das System in einer Pilotphase, die noch im laufenden Jahr starten soll. Zwar können nicht alle der tausenden Entladetore sofort von „Scoop“ bedient werden, doch FedEx plant, die Technologie zu skalieren, sobald die ersten Tests erfolgreich verlaufen.
Warum externe Experten?
Stephanie Cook, Leiterin für fortschrittliche Technologie und Innovation bei FedEx, erklärt, dass es bislang kein marktgängiges Produkt gab, das die spezifischen Anforderungen des Unternehmens erfülle. Die Entwicklung einer eigenen Lösung würde Monate, wenn nicht Jahre, in Anspruch nehmen – ein Zeitfenster, das das Unternehmen im rasanten Innovationsumfeld nicht aufbringen kann.
„Wir haben bereits früher mit Berkshire Grey zusammengearbeitet und sehen darin einen passenden Partner“, so Cook. „Es ist ein mehrjähriger Weg, aber er ermöglicht uns, schneller und gezielter voranzukommen.“
Fokus auf die härtesten Aufgaben
Die Priorisierung von Bulk‑Unloading macht Sinn, weil diese Tätigkeit besonders körperlich beanspruchend und schwer vorhersehbar ist. Im Gegensatz zum präzisen Paketauswählen erfordert das Entladen von Massengütern keine komplexen Entscheidungsbäume, wodurch die Automatisierung weniger herausfordernd ist.
O.P. Skaaksrud, Vice President für fortschrittliche Technologie bei FedEx, unterstreicht, dass die Vielzahl unterschiedlicher Paketformen die herkömmliche Einzelpicking‑Technik zu langsam macht. Robotische Entlader, die mehrere Pakete gleichzeitig handhaben können, bieten hier einen klaren Leistungsvorteil.
Eigenentwicklungen bleiben nicht außen vor
Parallel zu den Partnerschaften investiert FedEx weiterhin in eigene Sensortechnologien wie SenseAware und SenseAware ID, die die Rückverfolgbarkeit von Sendungen verbessern. Allerdings räumt das Unternehmen ein, dass die Entwicklung von Hard‑ und Software für Sensorik nicht mit der komplexen Robotikentwicklung gleichzusetzen ist.
„Die Sensorik ist ein Teilbereich, die Robotik jedoch eine völlig andere Dimension“, erklärt Skaaksrud. „Deshalb setzen wir auf Kooperationen, um schneller voranzukommen.“
Der strategische Mix aus interner Innovation und externen Partnerschaften könnte FedEx dabei helfen, die gefährlichsten und monotonsten Tätigkeiten in den Lagern zu automatisieren und gleichzeitig qualifiziertere Aufgaben für das Personal zu schaffen.