Einleitung

Die Frage, ob medizinisches Cannabis bei Insomnie hilft, beschäftigt sowohl Betroffene als auch Fachleute. Trotz wachsender Popularität von CBD‑Ölen und THC‑Kapseln gibt es bislang keine eindeutige Evidenz, die den Einsatz von Cannabis als Schlafmittel rechtfertigt. Eine aktuelle Übersichtsstudie der internationalen Organisation Cochrane hat dafür neun randomisierte, placebokontrollierte Studien zusammengefasst – und kommt zu dem Ergebnis, dass die Datenlage zu schwach ist, um belastbare Schlüsse zu ziehen.

Wachsende Beliebtheit von Cannabis‑Produkten

In Nederland schätzt das Trimbos‑Institut, dass über 130.000 Menschen Cannabis aus medizinischen Gründen verwenden. Weltweit steigt die Zahl der Verschreibungen, während gleichzeitig klare Leitlinien für den therapeutischen Einsatz bei Schlafstörungen fehlen. Viele Patienten greifen zu Cannabis‑Öl, CBD‑Tropfen oder THC‑Kapseln in der Hoffnung, ihre nächtliche Ruhe zu verbessern.

Methodik der Cochrane‑Analyse

Die Forschenden durchkämmten fast 10.000 Publikationen und identifizierten lediglich neun Studien, die den strengen Kriterien von Doppelblind‑Placebo‑Kontrollen entsprachen. In acht dieser Arbeiten wurde Cannabis – entweder als reines CBD, reines THC oder als Kombination beider Cannabinoide – mit einem Scheinmedikament verglichen. Die Darreichungsformen reichten von Öl über Kapseln bis hin zu Gel‑Capsules.

Ergebnisse: Kaum messbare Effekte

Die Teilnehmenden berichteten, dass ihr Schlaf nach der Einnahme von Cannabis im Schnitt nur um rund acht Minuten länger war als nach dem Placebo. Die statistische Unsicherheit ist jedoch enorm: das 95‑%‑Konfidenzintervall reicht von 23 Minuten kürzer bis zu 38 Minuten länger. Auch die Tagesfunktionalität zeigte keine signifikante Verbesserung.

Beobachtete Nebenwirkungen

Ein klareres Bild ergibt sich bei den unerwünschten Effekte. In drei Studien, in denen dieselben 98 Probanden sowohl Cannabis als auch Placebo erhielten, traten bei 37 Personen ausschließlich während der Cannabis‑Phase Beschwerden auf – während in der Placebo‑Phase niemand Nebenwirkungen meldete. Häufig genannte Symptome waren Schwindel, Mundtrockenheit und leichte Angstzustände.

Expertenmeinungen

Neuro‑ und Schlafmediziner wie Dr. Mink Schinkelshoek beobachten, dass viele Patienten nach einem kurzen Versuch das Cannabiskonsum abbrechen, weil die Nebenwirkungen die potenziellen Vorteile überwiegen. „Wenn es nicht hilft, schadet es zumindest nicht“, fasst er zusammen. Annemieke van Straten, Professorin für klinische Psychologie, betont, dass die vorhandenen Studien zu klein und zu heterogen seien, um ein zuverlässiges Bild zu liefern. Sie fordert größere, methodisch einheitliche Randomisierungen, die klar zwischen echten Insomnie‑Patienten und solchen mit bloßen Schlafbeschwerden unterscheiden.

Ausblick und Forschungslücken

Bevor groß angelegte Humanstudien gestartet werden, empfehlen Experten, die einzelnen Cannabinoide zunächst im Labor und an Tiermodellen zu prüfen. Nur wenn ein Stoff eindeutig schlaffördernde Eigenschaften zeigt, sollte er in klinischen Versuchen getestet werden – und zwar mit denselben Messinstrumenten, die bei etablierten Schlaftherapien zum Einsatz kommen.

Bis solche Daten vorliegen, bleibt die Nutzung von Cannabis gegen Schlaflosigkeit ein riskantes Unterfangen, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet.

Source: https://scientias.nl/helpt-cannabis-tegen-slapeloosheid-na-9-studies-weten-onderzoekers-het-nog-altijd-niet/#respond

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