Ein neuer Cyberangriff auf Nius

Das unabhängige Nachrichtenportal Nius ist erneut Opfer einer groß angelegten Datenpanne geworden. Laut Recherchen von CORRECTIV sind rund neun Gigabyte an internen Dateien aus dem Redaktionssystem ins Netz abgetreten und können dort von jedermann eingesehen werden. Der Datenbestand umfasst nicht nur statistische Angaben zu Abonnements, sondern auch personenbezogene Informationen von Mitarbeitern, Lesern und zahlenden Abonnenten.

Was genau wurde veröffentlicht?

Der Leak enthält Namen, E‑Mail‑Adressen und in vielen Fällen vollständige Wohnadressen von etwa 12 000 Abonnenten. Zusätzlich finden sich bei einigen Einträgen Teile von Kreditkartennummern, was das Risiko von Identitätsdiebstahl erheblich erhöht. Auch interne Redaktionsdaten wurden offengelegt: Mehr als 21 000 Artikel, Gesprächspartnerlisten und Details zu journalistischen Quellen stehen nun öffentlich zur Verfügung.

Hintergrund und frühere Vorfälle

Bereits im Sommer des Vorjahres hatte ein Hacker‑Team Zugriff auf Nutzerdaten von Nius erlangt und diese veröffentlicht. Die damalige Redaktion unter Chefredakteur Julian Reichelt erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Der aktuelle Vorfall geht jedoch deutlich tiefer, da er nicht nur Nutzerinformationen, sondern auch vertrauliche redaktionelle Inhalte betrifft.

Reaktionen von Politik und Medienverbänden

Die Berliner Datenschutzbeauftragte meldete seit Juni 2025 bereits vier Datenschutzvorfälle bei Nius, wobei der jüngste Vorfall erst kürzlich an die Behörde gemeldet wurde. Vertreter der Gewerkschaft Verdi betonten, dass ein derartiger Datenabfluss in der deutschen Medienlandschaft bislang unbekannt sei. Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen warnte eindringlich davor, dass das Vertrauen von Informanten und Quellen durch solche Lecks nachhaltig beschädigt werden könne.

Forderungen und Ausblick

Angesichts der wiederholten Angriffe fordern Experten die Bundesregierung auf, den Schutz der Pressefreiheit und die digitale Sicherheit von Medienhäusern zu stärken. Eine Petition, die bereits zahlreiche Unterschriften sammelt, richtet sich an die Politik mit dem Ziel, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die Medien vor ähnlichen Angriffen in Zukunft besser schützen.

Während CORRECTIV aus Gründen des Opferschutzes keine vollständigen Namen von Autoren veröffentlicht, bestätigt Nius, dass ein Leak im Mai oder Juni stattgefunden hat und eine Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht wurde. Die Redaktion hat seit Bekanntwerden des Vorfalls die Möglichkeit, Betroffene zu informieren und Sicherheitslücken zu schließen.

Der Vorfall verdeutlicht, wie wichtig robuste IT‑Infrastrukturen und konsequente Datenschutzpraktiken für die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit journalistischer Arbeit sind. Ohne ein verlässliches Sicherheitsfundament kann das Vertrauen von Lesern, Quellen und Werbepartnern schnell erschüttert werden.

Source: https://correctiv.org/aktuelles/datenschutz/2026/10/08/daten-leak-bei-nius-nutzerdaten-finanzen-und-redaktionssystem-liegen-ungeschutzt-im-netz/

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