Ein ungewöhnlicher Ansatz gegen den Vogelbeifang
In den Gewässern vor Cornwall, England, stellen vertikale Kiemennetze eine tödliche Falle für tauchende Seevögel dar. Während die Netze für Fischer unverzichtbar sind, führen sie häufig zu ungewollten Todesfällen von Gänsen, Alken und anderen Wasservögeln, die beim Suchen nach Beute in die Maschen geraten. Ein Team britischer Wissenschaftler hat nun zwei simple, aber effektive Gegenmaßnahmen entwickelt, die das Risiko drastisch senken.
Die "Looming‑Eyes Boje" (LEB)
Die erste Erfindung ist eine schwimmende Boje, die mit großen, sich kontinuierlich drehenden Augen ausgestattet ist. Der Name "Looming‑Eyes Boje" beschreibt das unheimliche Starren, das Vögel abschreckt. Die Idee beruht auf der Annahme, dass die Vögel die Boje als wachsames Wesen wahrnehmen und deshalb Abstand halten. In Feldversuchen wurden 352 Netze mit dieser Boje versehen und mit 353 Kontrollnetzen verglichen.
Der "Scarybird"‑Kite
Die zweite Methode ist ein Drachen, der die Form eines Raubvogels annimmt. Der sogenannte "Scarybird" wird in unmittelbarer Nähe zu den Netzen fliegen gelassen und erzeugt durch seine Silhouette und Bewegung einen zusätzlichen Abschreckungseffekt. Auch hier wurden 352 Netze mit dem Drachen ausgestattet.
Ergebnisse: Deutliche Reduktion des Beifangs
Die Auswertung der fast anderthalbjährigen Studie zeigte beeindruckende Resultate. Netze, die mit der LEB‑Boje geschützt waren, verzeichneten einen Rückgang des Vogelbeifangs um 59 %. Der Scarybird‑Kite erzielte sogar eine Reduktion von rund 70 %. Insgesamt wurden von den 1.057 untersuchten Netzen 191 Beifangfälle registriert, davon 153 Vögel – fast ausschließlich Gänse und Alken, die bereits tot bei den Fischern ankamen.
Wichtige Faktoren: Abstand und Saison
Die Wirksamkeit hing stark vom Abstand des Abschreckmittels zum Netz ab. Der Drachen war am effektivsten, wenn er dicht am Netz positioniert war, während die Boje ein breiteres, aber weniger intensives Schutzfeld bot. Darüber hinaus zeigte die Analyse, dass der Vogelbeifang stark saisonabhängig ist. Die meisten Vorfälle traten im Winter, besonders in Januar und Februar, auf. Das bedeutet, dass die Geräte nicht das ganze Jahr über eingesetzt werden müssen, sondern gezielt in den Risikoperioden.
Praktische Umsetzung für Fischer
Für die Anwender ist die Handhabung entscheidend. Beide Hilfsmittel wurden so konzipiert, dass sie robust, leicht zu installieren und wartungsarm sind. Die Zusammenarbeit mit den Fischern vor Ort half, die Geräte an die realen Bedingungen anzupassen, sodass sie den Arbeitsablauf nicht behindern. Durch die Kombination von Technologie und lokaler Expertise lässt sich der unbeabsichtigte Tod von Seevögeln deutlich verringern, ohne die Effizienz der Fischerei zu beeinträchtigen.