Einleitung
In den küstennahen Gewässern von Cornwall stellen vertikale Kiemennetze eine tödliche Falle für tauchende Seevögel dar. Während die Netze Fische fangen, geraten besonders Kormorane und Alken leicht in die Maschen und ertrinken. Ein britisches Forschungsteam hat nun zwei überraschend einfache Gegenmaßnahmen entwickelt, die den unbeabsichtigten Vogelbeifang drastisch reduzieren.
Die LEB‑Boje – ein schauender Schutz
Die erste Erfindung, liebevoll Looming‑Eyes Buoy (LEB) genannt, ist im Prinzip ein schwimmender Marker mit übergroßen, sich drehenden Augen. Die Boje rotiert kontinuierlich, sodass die Vögel das Gefühl haben, beobachtet zu werden. Dieses psychologische Abwehrsignal hält sie davon ab, zu nahe an die Netze zu fliegen.
Wirkungsgrad
In Feldversuchen zeigte die LEB‑Boje eine Reduktion des Vogelbeifangs um rund 59 %. Der Effekt war über das gesamte Testgebiet hinweg spürbar, wobei die Boje besonders dann wirksam war, wenn sie in einem Abstand von wenigen Metern zum Netz positioniert wurde.
Der „Scarybird“ – eine fliegende Raubvogelattrappe
Die zweite Methode bestand aus einer großen Drachenfigur, die einem Raubvogel nachempfunden ist. Der sogenannte „Scarybird“ wird von einem Leinensystem über dem Netz gespannt und bewegt sich im Wind, wodurch er wie ein echter Greifvogel wirkt.
Ergebnisse
Der Scarybird erzielte den höchsten Erfolg: Der Vogelbeifang sank um etwa 70 % im Vergleich zu unbehandelten Netzen. Die Wirksamkeit hing stark von der Nähe zur Netzstruktur ab – je näher die Attrappe, desto größer die Abschreckung.
Methodik und Datenbasis
Das Projekt dauerte fast anderthalb Jahre und involvierte zehn Fischer, die insgesamt 1.057 Netze setzten. Davon wurden 353 als Kontrollnetze, 352 mit LEB‑Bojen und 352 mit Scarybird‑Drachen verwendet. Auf den Booten waren Kameras, GPS‑Tracker und weitere Sensoren installiert, um präzise Aufzeichnungen über die Position der Netze und die Anzahl der gefangenen Vögel zu erhalten.
Insgesamt wurden 191 Beifangtiere registriert, davon 153 Vögel, überwiegend Kormorane und Alken. Fast alle Tiere waren bereits tot, wenn sie an Bord kamen, was die Dringlichkeit effektiver Präventionsmaßnahmen unterstreicht.
Seasonale und räumliche Faktoren
Die Studie ergab, dass der Vogelbeifang stark saisonabhängig ist. Die meisten Vorfälle traten im Winter, insbesondere in den Monaten Januar und Februar, auf. Auch die Netzmaschenweite und die geografische Lage beeinflussten das Risiko. Diese Erkenntnisse ermöglichen es Fischern, die Abwehrgeräte gezielt nur in den kritischen Zeiträumen und Regionen einzusetzen, anstatt das ganze Jahr über.
Praktische Implikationen für die Fischerei
Für die Praxis bedeutet das, dass sowohl die Wahl des richtigen Abschreckmittels als auch dessen korrekte Platzierung entscheidend sind. Während die LEB‑Boje ein breiteres, aber weniger intensives Schutzfeld bietet, erfordert der Scarybird eine präzise Anbringung in unmittelbarer Nähe zum Netz, um maximale Wirkung zu erzielen. Beide Systeme sind robust, leicht zu handhaben und beeinträchtigen die reguläre Arbeitsweise der Fischer nicht.
Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Fischern konnten die Geräte weiter optimiert und an die realen Bedingungen an der Küste angepasst werden.