Einleitung
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, bei der die AfD mit deutlichem Abstand die stärkste Kraft wurde, haben sich zahlreiche Initiativen versammelt, um dem Aufstieg rechtspopulistischer Kräfte entgegenzuwirken. Besonders auffällig war die Präsenz von „Omas gegen Rechts“ in Magdeburg – ein Netzwerk älterer Menschen, das seit Monaten für Vielfalt, Toleranz und demokratische Grundwerte kämpft. In einem Gespräch mit zwei ihrer Vertreterinnen, Ute und Karin, wird deutlich, wie stark das Gemeinschaftsgefühl war und welche Strategien sie für die Zukunft planen.
Wahlresultat und Schock
Die Hochrechnungen zeigten, dass fast 44 % der Wähler:innen für die als rechtsextrem eingestufte AfD gestimmt hatten. Für die Aktivistinnen war das ein Schock, der an die dunklen Zeiten der 1990er‑Jahre erinnerte, als neonazistische Gruppen offen auf den Straßen präsent waren. „Ich bin entsetzt, dass so viele Menschen rechtsextreme Positionen unterstützen“, sagt Karin, während Ute betont, dass die Stimmung im Land „wie ein dunkler Schleier“ wirke.
Die Omas gegen Rechts – wer sie sind
Ute stammt aus dem Osten, Karin ist 1995 aus Hessen nach Magdeburg gezogen. Beide koordinieren die Online‑Kommunikation der Gruppe, verbreiten Fakten, sammeln Petitionen und begleiten Demonstrationen. Sie nutzen soziale Medien, um Flachwitze zu entlarven, Falschinformationen zu korrigieren und Menschen zu ermutigen, aktiv zu werden. Ihre Arbeit richtet sich nicht nur an ältere Mitbürger, sondern auch an jüngere Generationen, die sich häufig in digitalen Räumen informieren.
Gemeinschaftsgefühl und Widerstand
Am Samstag vor der Wahl versammelten sich rund 15 000 Menschen beim Demokratiefestival in Magdeburg. Die Omas berichten von einer überwältigenden Atmosphäre des Zusammenhalts, die sie als „Licht am Ende des Tunnels“ bezeichnen. Trotz des enttäuschenden Wahlergebnisses wollen sie dieses Momentum nicht verlieren. „Wir machen weiter, es gibt keine andere Option“, betont Karin. Die Gruppe plant weitere Aktionen, von lokalen Infoveranstaltungen bis hin zu bundesweiten Online‑Kampagnen, um das Bewusstsein für demokratische Werte zu stärken.
Digitale Räume und Gegenstrategien
Ute erklärt, dass rechte Propaganda zunehmend in sozialen Netzwerken Fuß fasst und dort gezielt junge Menschen anspricht. Die Omas setzen dem mit Aufklärung entgegen: Sie veröffentlichen überprüfte Daten, stellen Gegenargumente bereit und fördern den Dialog zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. Durch das Teilen von Erfahrungsberichten und das Aufzeigen von Konsequenzen extremistischer Ideologien wollen sie die „Parallelwelt“, in der Hass und Gewalt gedeihen, durchbrechen.
Die beiden Aktivistinnen sind sich einig, dass Aufklärung allein nicht ausreicht – es bedarf eines solidarischen Netzwerks, das sowohl online als auch offline aktiv ist. Sie rufen dazu auf, sich zu informieren, zu diskutieren und gemeinsam für ein offenes, tolerantes Miteinander einzustehen.
Source: https://netzpolitik.org/2026/omas-gegen-rechts-wir-machen-weiter-es-gibt-keine-andere-option/