Wie junge Orang-Utans ihre Nahrung auswählen

Im dichten Regenwald Sumatra stehen junge Menschenaffen vor einer schier unüberschaubaren Auswahl an potenziellen Nahrungsquellen. Von Früchten über Blätter bis hin zu Rinden – fast 250 verschiedene Arten können für erwachsene Tiere essbar sein, während zahlreiche Pflanzen giftig sind. Die Frage, wie ein Jungtier in den ersten Lebensjahren lernt, welche Speisen sicher sind, stand im Fokus einer langjährigen Feldstudie.

Soziales Beobachten als Grundpfeiler

Forscher verfolgten 21 Individuen von der Geburt bis zum Alter von etwa acht Jahren und sammelten mehr als 4 700 Stunden Beobachtungsdaten. Sie notierten, wann die Jungen das Verhalten ihrer Mütter oder anderer Artgenossen kopierten – das sogenannte soziale Lernen. Diese Form des Lernens erwies sich als besonders häufig: In allen beobachteten Fällen war das Beobachten von Vorbildern bis zu fünfmal häufiger als eigenständiges Ausprobieren.

Eigenständiges Erkunden ergänzt das Wissen

Parallel dazu wurde erfasst, wie oft die Jungtiere eigenständig neue Pflanzen untersuchten und eigenständig aßen, ohne mütterliche Hilfe. Obwohl seltener, zeigte sich, dass das individuelle Ausprobieren eng mit dem sozialen Lernen verknüpft war. Tiere, die beides kombinierten, verbrachten später im Leben durchschnittlich 2,5 Stunden pro Tag mit der Erkundung neuer Nahrungsquellen.

Langfristige Folgen für die Ernährung

Die Analyse offenbarte einen klaren Zusammenhang zwischen Lernstrategien und späterer Nahrungsvielfalt. Individuen, die sowohl viel beobachteten als auch selbst experimentierten, verfügten im Erwachsenenalter über ein breiteres Spektrum an essbaren Arten. Im Gegensatz dazu hatten Tiere, die kaum eigenständige Erfahrungen sammelten, ein eingeschränkteres Repertoire und wählten seltener seltene oder saisonale Nahrungsquellen.

Warum das soziale Lernen so wichtig ist

Für wachsende Jungtiere ist das Risiko, giftige Pflanzen zu verzehren, besonders hoch. Das Kopieren erfahrener Mütter reduziert dieses Risiko erheblich, da die Mutter bereits weiß, welche Früchte sicher sind. Erst wenn das Grundgerüst gesichert ist, können die Jungen riskantere Experimente wagen, um ihr Wissen zu erweitern.

Ausblick und offene Fragen

Die Ergebnisse liefern wertvolle Einblicke in die kulturelle Transmission bei Menschenaffen. Wissenschaftler planen, künftig zu untersuchen, ob ein erweitertes Nahrungsrepertoire tatsächlich zu höherer Energieaufnahme, besserer Gesundheit und gesteigerter Fortpflanzungsrate führt. Solche Erkenntnisse könnten nicht nur das Verständnis von Primatenverhalten vertiefen, sondern auch wichtige Implikationen für den Artenschutz bieten.

Source: https://scientias.nl/zo-leert-een-jonge-orang-oetan-wat-hij-kan-eten/

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