Ein neuer Ansatz für die Rohrverschraubung

In einer Branche, in der körperliche Belastung und Verletzungsgefahr allzu häufig sind, präsentiert das Startup Nexterity eine bahnbrechende Lösung: einen ferngesteuerten Roboter, der das Anziehen und Lösen von Bolzen an Rohrflanschverbindungen übernimmt. Die Idee entstand aus den Erfahrungen von Lindsey Elliott, einer ehemaligen Ingenieurin bei ExxonMobil, die jahrelang die Schwachstellen der Öl‑, Gas‑ und Petrochemie‑Infrastruktur analysierte. Ihre Beobachtungen zeigten, dass das manuelle Arbeiten an Bolzen nicht nur ermüdend, sondern auch ein Hauptfaktor für Arbeitsunfälle ist.

Wie funktioniert das System?

Der Roboter besteht aus zwei kompakten Modulen, die sich um das Rohr legen und über Batterien betrieben werden. Sobald er angebracht ist, gleitet er entlang des Rohrs und kann gleichzeitig vier Bolzen in einem Arbeitsgang lockern oder festziehen. Verschiedene Konfigurationen decken gängige Rohrdurchmesser von NPS 2 bis NPS 8 ab – ein Bereich, der laut Branchenexperten rund 80 % aller Rohrinstallationen ausmacht. Die Geräte sind klein genug, um in einer Pelican‑Kiste transportiert zu werden, sodass ein einzelner Arbeiter sie problemlos zu neuen Baustellen bringen kann.

Ein Geschäftsmodell mit Mietcharakter

Nexterity positioniert die Roboter nicht als Kaufobjekt, sondern als Mietgerät für Bauprojekte. Diese Flexibilität ermöglicht es Unternehmen, die Technologie bei Bedarf zu nutzen, ohne hohe Investitionskosten zu tragen. Der Ansatz erinnert an das klassische Baugeräte‑Leasing, bei dem schwere Maschinen für bestimmte Zeiträume gemietet werden.

Marktpotenzial und Anwendungsbereiche

Obwohl Rohrsysteme im Alltag selten beachtet werden, bilden sie das Rückgrat zahlreicher Industrien: Wasser‑ und Abwasseraufbereitung, Lebensmittel‑ und Getränkeproduktion, Bergbau, Kernenergie sowie nachhaltige Fertigungsanlagen. In all diesen Bereichen kommen identische Flanschverbindungen zum Einsatz, sodass die Automatisierungslösung von Nexterity ein enormes Marktvolumen adressieren kann. Elliott schätzt, dass die Produktivität in der nordamerikanischen Rohrverschraubung bislang „notoriously low“ sei – ein klares Signal für Optimierungspotenzial.

Auswirkungen auf die Arbeitswelt

Durch die Entlastung von körperlich anstrengenden Tätigkeiten könnten Unternehmen nicht nur die Sicherheit ihrer Mitarbeitenden erhöhen, sondern auch die Attraktivität des Berufs für neue Arbeitskräfte steigern. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels in handwerklichen Berufen könnte die Technologie ein entscheidender Hebel sein, um die Produktivität zu steigern und gleichzeitig die Unfallrate zu senken.

Source: https://techcrunch.com/2026/09/24/nexterity-wants-to-automate-the-hard-dangerous-part-of-pipefitting/

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