Einleitung
Der Erhalt des Amazonas gilt als Schlüssel für das globale Klima und die Artenvielfalt. Eine aktuelle Untersuchung aus der Fachzeitschrift Science hat drei unterschiedliche Strategien verglichen: das Verhindern von Abholzung, das Unterbinden von Störungen wie Waldbränden und das Wiederaufforsten von bereits gerodeten Flächen. Die Ergebnisse zeigen, dass das reine Anlegen neuer Wälder kaum ausreicht, um den Verlust an Biodiversität zu stoppen.
Methodik und Untersuchungsgebiet
Forscher analysierten mehr als drei Millionen Hektar rund um die Städte Santarém und Paragominas im brasilianischen Bundesstaat Pará. Sie kombinierten Satellitenaufnahmen mit Felddaten von 381 Expeditionen in 38 Regionen. Zusätzlich wurden Informationen von 499 benachbarten Agrarbetrieben herangezogen, um Modelle für 160 Vogel- und 426 Baumarten zu erstellen und den Kohlenstoffgehalt der Vegetation zu berechnen.
Simulierte Szenarien
Auf Basis dieser Daten wurden drei hypothetische Szenarien durchgespielt: (1) vollständiger Stopp der Abholzung seit 2010, (2) Vermeidung aller Störereignisse wie Feuer, und (3) Umwandlung umliegender Agrarflächen in neue Wälder. Die Resultate wurden mit den realen Entwicklungen verglichen, um den jeweiligen Nutzen für die Artenvielfalt zu ermitteln.
Ergebnisse im Überblick
Die Vermeidung von Störungen erwies sich als wirksamste Maßnahme und könnte 68,5 % des Biodiversitätsverlustes verhindern. Das reine Unterbinden von Abholungen lieferte einen Nutzen von 28 %. Im Gegensatz dazu brachte das alleinige Wiederaufforsten lediglich 6,5 % des potenziellen Schadens zurück. Damit ist klar, dass der Schutz bestehender Wälder deutlich mehr Ertrag liefert als das Anlegen neuer Baumreihen.
Kosteneffizienz
Die Studie berücksichtigte auch ökonomische Aspekte: Einnahmeausfälle aus der Landwirtschaft, Erlöse aus Holzgewinnung und Kosten für Brandschutzmaßnahmen. Hier zeigte sich, dass das Präventivmanagement von Störungen nicht nur ökologisch, sondern auch finanziell am vorteilhaftesten ist.
Implikationen für die Praxis
Die Wissenschaftler betonen, dass Wiederaufforstung nicht überflüssig ist, jedoch nur im Zusammenspiel mit einem konsequenten Schutz bestehender Wälder sinnvoll ist. Wie Joice Ferreira vom brasilianischen Forschungsinstitut Embrapa formuliert: Investitionen in neue Wälder verlieren an Wirkung, wenn gleichzeitig alte Wälder weiter vernichtet werden. Ein integrierter Ansatz, der sowohl Prävention als auch Regeneration umfasst, sei notwendig, um die drohende Trockenheit durch Phänomene wie El Niño zu kompensieren.
Die Untersuchung konzentrierte sich auf zwei Teilregionen des Amazonas, weshalb die genauen Zahlen nicht ohne Weiteres auf das gesamte Regenwaldgebiet übertragbar sind. Dennoch liefert sie wertvolle Hinweise für Politik, Naturschutzorganisationen und Unternehmen, die ihre Ressourcen gezielt einsetzen wollen.
Source: https://scientias.nl/waarom-alleen-het-aanleggen-van-nieuwe-bossen-niet-genoeg-is/