Ein brisanter Einblick in die unredigierten Unterlagen
Neue, nicht geschwärzte Dokumente aus dem langjährigen Urheberrechtsstreit zwischen der New‑York‑Times und den KI‑Giganten OpenAI und Microsoft werfen ein grelles Licht auf die internen Einschätzungen der Unternehmen. Ein hochrangiger Microsoft‑Manager bezeichnete das massenhafte Auslesen von Inhalten als „die größte Diebstahl von Arbeit in der Menschheitsgeschichte“. Gleichzeitig äußerten Führungskräfte von OpenAI, dass ihre Modelle eine existenzielle Bedrohung für Verlage und Journalist*innen darstellen.
Wie die Datenbeschaffung ablief
Den Unterlagen zufolge haben die Firmen Paywalls umgangen, Inhalte massenhaft gescrapt und sämtliche Urheberrechtshinweise entfernt, um riesige Trainingsdatensätze zu erstellen. Diese Vorgehensweise widerspricht dem üblichen Fair‑Use‑Argument, das KI‑Entwickler bislang vor Gericht verteidigt haben.
Die wirtschaftlichen Folgen für die Presse
Interne Microsoft‑Präsentationen zeigen, dass das Copilot‑„Answer‑Engine“-Feature die Klickrate auf die Website der New‑York‑Times um bis zu 93 % im Vergleich zu herkömmlichen Bing‑Suchanfragen senkte. Brent Hecht, Director of Applied Science, nannte dies einen „Doom Loop“, der sowohl die Modelle als auch das gesamte Web gefährde.
Stellungnahmen der Führungskräfte
Satya Nadella, CEO von Microsoft, betonte in einer Aussage, dass alles, was hinter einer Paywall liegt, lizenziert werden müsse, wenn es für das Training verwendet werde. Er erklärte, dass er OpenAI zur Nach‑Trainierung auffordern würde, sollte er von unautorisiertem Scraping erfahren. Gleichzeitig schrieb Nick Turley, Leiter von ChatGPT, dass Verlage einer „existenziellen Bedrohung“ ausgesetzt seien, weil die KI‑Produkte zunehmend substituierend seien.
Rechtliche Grauzonen und zukünftige Entwicklungen
Ob das massenhafte Nutzen urheberrechtlich geschützter Inhalte für das Training von KI‑Modellen legal ist, bleibt umstritten. Gerichte neigen bislang dazu, die Fair‑Use‑Verteidigung zu akzeptieren, doch die neuen Enthüllungen stellen diese Argumentation infrage, weil die KI‑Ergebnisse direkt mit den Originalquellen konkurrieren. Der aktuelle Rechtsstreit könnte wegweisend für die gesamte Branche werden.