Ein neuer Blick auf das Zusammenleben von Löwen und Hyänen

In den weiten Savannen Namibias und Botswanas teilen sich Löwen und gepunktete Hyänen häufig das gleiche Jagdrevier. Bisher war es schwierig, das tatsächliche Verhalten der beiden Spitzenprädatoren zu entschlüsseln, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe begegneten. Eine aktuelle Untersuchung, die GPS‑Halsbänder an 17 Löwen und 14 Hyänen anbrachte, liefert nun klare Hinweise: Es sind vor allem die Löwen, die den Hyänen folgen – ein Ergebnis, das das etablierte Bild, Hyänen würden Löwen nachspüren, grundlegend in Frage stellt.

Methodik: GPS‑Daten alle fünf Minuten

Die Forscherinnen um Nancy Barker sammelten über mehrere Monate hinweg Positionsdaten, die alle fünf Minuten aufgezeichnet wurden. Nur Zeitpunkte, an denen beide Arten gleichzeitig in der Nähe waren, wurden ausgewertet. So entstanden 23 Tierpaar‑Analysen, darunter zehn Kombinationen aus Löwe‑Hyäne. Für jedes dieser Paare wurde geprüft, ob das Tier sich zum anderen hin, von ihm weg oder seitlich bewegte.

Ergebnisse: Hyänen weichen, Löwen nähern sich

Die Auswertung zeigte ein eindeutiges Muster: Gepunktete Hyänen bewegten sich überwiegend von Löwen weg, während Löwen – besonders die männlichen – häufig in Richtung der Hyänen zogen. Weibliche Löwen zeigten ein variableres Verhalten, das stärker von der Anwesenheit anderer Löwen im Rudel abhing. Die Hyänen reagierten hingegen konsistent und vermieden die Nähe zu den Großkatzen.

Warum das wichtig ist

Bisher konzentrierten sich Studien zu Raubtieren meist auf die Größe von Territorien oder die Aktivitätszeiten. Die neue GPS‑Analyse geht einen Schritt weiter und beleuchtet die unmittelbaren Entscheidungen, die Tiere treffen, wenn ein Konkurrent in Sicht kommt. Das liefert ein realistischeres Bild davon, wie mehrere Spitzenprädatoren ein gemeinsames Ökosystem teilen können, ohne sich zwangsläufig zu verdrängen.

Ausblick und offene Fragen

Ob das beobachtete Verhalten langfristig die Überlebens- und Fortpflanzungsraten der Arten beeinflusst, bleibt unklar. Barker betont, dass weitere Forschungen nötig sind, um den Zusammenhang zwischen Bewegungsmustern und dem Erfolg der Populationen zu verstehen. Mit unbegrenzten Ressourcen würde sie die Methode gern auf weitere Raubtiere ausdehnen, um ein umfassenderes Bild der interspezifischen Dynamik zu erhalten.

Source: https://scientias.nl/wie-volgt-wie-gps-data-werpt-nieuw-licht-op-hoe-leeuwen-en-hyenas-met-elkaar-omgaan/

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