Einleitung
Generative Künstliche Intelligenz wird als Allheilmittel für die schulische Arbeitsbelastung angepriesen. Start‑ups wie FelloFish und Edaira versprechen automatisiertes Feedback für Hausaufgaben und vereinfachte Notenvergabe. Doch aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Lösungen in der Praxis kaum halten, was Lehrkräfte und Lernende wirklich benötigen.
Hintergrund des DigitalPakts 2.0
Der Bund und die Länder stellen im Rahmen des DigitalPakts 2.0 rund fünf Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre bereit. Ein Teil dieses Budgets soll in innovative KI‑Anwendungen fließen, um den Schulalltag zu modernisieren. Die Erwartungshaltung ist hoch: KI‑gestützte Korrekturhilfen könnten Lehrkräfte entlasten und Schüler:innen schnelleres, personalisiertes Feedback ermöglichen.
Die untersuchten Tools im Überblick
FelloFish richtet sich an Lernende. Nach Eingabe eines Textes erhalten sie per Knopfdruck ein automatisiertes Kommentar, das Stärken und Schwächen aufzeigt. Ziel ist ein iterativer Verbesserungsprozess, bei dem mehrere Versionen einer Arbeit eingereicht und bewertet werden können. Edaira hingegen ist ein Werkzeug für Lehrkräfte. Es analysiert hochgeladene Schülertexte und liefert Vorschläge für die Bewertung sowie mögliche Noten.
Wissenschaftliche Prüfung
Der Kognitionswissenschaftler Sean Quägwer und der KI‑Ethik‑Forscher Rainer Mühlhoff haben beide Programme einer kritischen Analyse unterzogen. Ihre Untersuchung ergab, dass die KI‑Modelle hinter den Tools inkonsistente Ergebnisse liefern und häufig wichtige kontextuelle Aspekte übersehen. Zudem bleibt unklar, welche genauen Prompt‑Anweisungen den Chatbot‑Agenten steuern – ein entscheidender Faktor für die Qualität des Feedbacks.
Warum die Tools nicht überzeugen
Erstens adressieren die Programme ein strukturelles Problem: Die steigende Arbeitslast von Lehrkräften lässt sich nicht allein durch automatisierte Korrekturen lösen. KI kann zwar einzelne Aufgaben erleichtern, ersetzt jedoch nicht die pädagogische Kernkompetenz, die für differenzierte Bewertung und individuelle Förderung nötig ist. Zweitens zeigen die Tests, dass wiederholte Eingaben derselben Arbeit zu unterschiedlichen Rückmeldungen führen – ein Zeichen für mangelnde Stabilität der zugrundeliegenden Sprachmodelle. Drittens fehlt eine transparente Kontrolle: Ohne Einsicht in die Prompt‑Formulierungen bleibt unklar, welche Kriterien die KI tatsächlich anlegt.
Folgen für die Praxis
Lehrkräfte, die sich auf solche Systeme verlassen, riskieren, wichtige Lernschritte zu übersehen und Schüler:innen ein unzuverlässiges Feedback zu geben. Gleichzeitig könnten Schüler:innen versucht sein, die KI als Schreibassistenten zu missbrauchen, was die Entwicklung eigener Schreibkompetenzen behindert. Die Autoren betonen, dass digitale Hilfsmittel sinnvoll sein können, solange sie als Ergänzung und nicht als Ersatz für menschliche Bewertung verstanden werden.
Ausblick
Die Ergebnisse legen nahe, dass Investitionen in generative KI für die Schule sorgfältig geprüft werden müssen. Statt breiter, ungetesteter Tools sollten gezielte Forschungsprojekte gefördert werden, die Transparenz, Verlässlichkeit und pädagogische Wirksamkeit in den Mittelpunkt stellen. Nur so kann die digitale Transformation tatsächlich zu einer Entlastung und Qualitätssteigerung im Bildungsbereich führen.
Source: https://netzpolitik.org/2026/ki-korrekturhilfe-fuer-die-schule-lerne-schreiben-wie-ein-chatbot/