Hintergrund: Bolt und sein Aufstieg
Bolt, das 2014 von Ryan Breslow mitbegründete Checkout‑Processing‑Unternehmen, erlangte Anfang 2022 eine Bewertung von 11 Milliarden Dollar. Der rasante Aufstieg war jedoch von heftigen Auseinandersetzungen mit Investoren und langwierigen Rechtsstreitigkeiten überschattet. Nachdem Breslow 2022 das Ruder aus der Hand gab, fiel die Bewertung um 97 Prozent auf rund 300 Millionen Dollar. Im März 2025 kehrte er als CEO zurück, fest entschlossen, das Unternehmen zu stabilisieren.
Die aktuelle Finanzierungsrunde
Um die Liquidität zu sichern und die nächsten Meilensteine zu erreichen, plant Bolt eine Bridge‑Finanzierung von bis zu 27 Millionen Dollar. Das Geld soll von bestehenden Geldgebern in Form einer wandelbaren Anleihe (Convertible Note) bereitgestellt werden, die bei einer zukünftigen Hauptfinanzierung in Aktien umgewandelt wird. Ein zentrales Element ist die sogenannte „Pay‑to‑Play“-Klausel: Investoren, die nicht teilnehmen, verlieren einen erheblichen Teil ihres Anteils am Unternehmen.
Warum ein Bridge‑Deal?
Bridge‑Runden kommen typischerweise zum Einsatz, wenn ein Startup entweder kurz vor einem wichtigen Meilenstein steht und noch Zeit benötigt, oder wenn die Geldmittel zur Neige gehen und ein Überbrückungsfinanzierung nötig ist, um die Bilanz zu sanieren. In Bolts Fall ist unklar, wie viel Cash‑Reserven noch vorhanden sind, doch Breslow betont, dass das Unternehmen kurz vor der Profitabilität stehe und wieder Wachstum verzeichne.
Strategische Ziele und Risiken
Der Finanzierungsplan soll es Bolt ermöglichen, jüngste operative Erfolge zu nutzen, Altverbindlichkeiten zu tilgen und einen reibungslosen Übergang zur geplanten Series‑E2‑Runde zu gewährleisten. Breslow selbst investiert 5 Millionen Dollar, um sein Vertrauen zu signalisieren. Er rechnet damit, dass etwa 100 bisherige Investoren mindestens 15 Millionen Dollar beisteuern, wobei nicht alle zwingend teilnehmen werden.
Vergangene Fehlversuche
Vor zwei Jahren scheiterte ein ambitionierter Versuch, 450 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 14 Milliarden Dollar zu beschaffen. Mehrere Großinvestoren, darunter BlackRock und Hedosophia, klagten gegen den Deal, weil ein angeblicher Lead‑Investor sich zurückzog und ein anderer stattdessen Marketing‑Credits anbot. Dieser Rechtsstreit wurde später von allen Parteien freiwillig eingestellt.
Ausblick: Kann Bolt die Wende schaffen?
Breslow ist überzeugt, dass Bolt mit seiner „Super‑App“, die Finanzdienstleistungen, Peer‑to‑Peer‑Zahlungen, Krypto und Kredite kombiniert, wieder zu einem relevanten Player im Zahlungsökosystem aufsteigen kann. Er vergleicht das Potenzial mit dem Verhältnis von Lyft zu Uber und hofft, dass die Bridge‑Finanzierung das Unternehmen bis zur nächsten großen Kapitalrunde überbrückt.
Ob die Investoren das Vertrauen teilen und die angestrebte Summe aufbringen, bleibt abzuwarten. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Bolt die notwendige finanzielle Stütze erhält, um seine strategischen Ziele zu realisieren und langfristig am Markt zu bestehen.