Ein Insider‑Skandal erschüttert das Shopping‑Startup Phia
Die jüngste Enthüllung von Bloomberg wirft ein grelles Licht auf Phia, das von Phoebe Gates und Sophia Kianni im April letzten Jahres gegründet wurde. Laut den veröffentlichten Slack‑Nachrichten wussten die beiden Gründerinnen bereits seit Dezember, dass ihr Unternehmen systematisch Cookie‑Stuffing betrieb – eine Praxis, bei der Affiliate‑Links ohne echte Nutzerinteraktion gesetzt werden, um Provisionen zu kassieren.
Was ist Cookie‑Stuffing und warum ist es problematisch?
Cookie‑Stuffing bezeichnet das heimliche Platzieren von Tracking‑Cookies, die Affiliate‑Partnern eine Provision zuschreiben, obwohl der eigentliche Kauf nicht über deren Kanal initiiert wurde. In der Affiliate‑Welt gilt das als schwerwiegender Vertrauensbruch, weil es die Einnahmen legitimer Publisher untergräbt und häufig gegen vertragliche Verbote verstößt. Unternehmen, die solche Methoden einsetzen, riskieren nicht nur zivilrechtliche Klagen, sondern auch den Verlust von Partnerschaften mit großen Marken.
Die Beweise: Slack‑Leaks und interne Diskussionen
Bloomberg erhielt Zugriff auf mehrere Slack‑Threads, in denen Gates und Kianni mit technischen Leitern über die Implementierung einer aktivier‑ und deaktivierbaren „Cookie‑Stuffing‑Funktion“ sprachen. Die Nachrichten zeigen, dass das Feature bewusst entwickelt wurde, um die Einnahmen zu steigern, und dass die Gründerinnen die potenziellen rechtlichen Konsequenzen kannten.
Finanzielle Auswirkungen und Reaktionen
Die Untersuchung ergab, dass ein erheblicher Teil von Phias Umsatz aus dem umstrittenen Verfahren stammte. Sobald das Unternehmen die Praxis im Juli einstellte, fiel der Tagesumsatz spürbar. In der Folge musste Phia nicht nur Rückerstattungen an betroffene Marken wie Nike und Nordstrom veranlassen, sondern auch einen Compliance‑Leiter einstellen, um zukünftige Verstöße zu verhindern.
Weitere Turbulenzen bei Phia
Der Cookie‑Stuffing‑Skandal ist nicht das einzige Problem, das Phia belastet. Bereits im Juli berichtete Puck, dass das Startup fast die Hälfte seiner Vollzeit‑Mitarbeiter verloren hat und mehrere Einzelhändler nicht wussten, dass sie in der App gelistet waren. Zudem wurde Phia zuvor beschuldigt, sensible Nutzerdaten ohne Einwilligung zu sammeln und über das Web zu verfolgen – ein weiterer Vertrauensbruch, der Investoren verunsichert hat.
Wie geht Phia jetzt weiter?
In einer offiziellen Stellungnahme betonte Phia, dass alle fehlerhaften Features bereits am 7. Juli entfernt wurden und dass das Unternehmen aktiv an der Rückabwicklung von Transaktionen arbeitet. Der neu eingestellte Head of Compliance soll sicherstellen, dass ähnliche Praktiken künftig ausgeschlossen werden. Trotz dieser Versprechen bleibt die Branche skeptisch, ob das Startup seine Reputation wiederherstellen kann.