Ein Viertel im Wandel

Vor kaum drei Jahrzehnten war das Gebiet um King’s Cross in London berüchtigt für Drogenhandel, Prostitution und kriminelle Machenschaften. Heute gilt es als einer der bedeutendsten Knotenpunkte für Künstliche Intelligenz weltweit – ein beeindruckender Aufstieg, der das Stadtbild und die Wirtschaft nachhaltig prägt.

Der Funke: DeepMind zieht ein

Der Wendepunkt kam 2016, als DeepMind, kurz nach der Übernahme durch Google, seine Büros in das ehemalige Rotlichtviertel verlegte. Die Präsenz des KI‑Pioniers lockte rasch weitere Start‑ups an, die vom Know‑how‑Cluster profitieren wollten. In den folgenden Jahren folgten Unternehmen wie OpenAI, Meta, Isomorphic Labs, Cusp AI, Wayne, Recursive, Synthesia und Anthropic, die alle in unmittelbarer Nähe siedelten.

Ein Magnet für Investoren

Die Attraktivität von King’s Cross ist mittlerweile so groß, dass Venture‑Capital‑Firmen teilweise mit Büroflächen als Anreiz für Gründer werben. Ein Beispiel: Ein VC‑Haus versprach einem Gründerteam ein Büro im Viertel, um den Deal zu sichern. Solche Aktionen verdeutlichen, wie stark die Nachfrage nach Standortnähe zu den führenden KI‑Akteuren ist.

Wirtschaftliche Kennzahlen

Laut Dealroom gibt es rund 3.600 KI‑Start‑ups in London, die zusammen etwa 12,1 Milliarden Dollar an Kapital eingeworben haben – ein Großteil davon stammt aus dem King’s‑Cross‑Cluster. Seit Juni haben AI‑bezogene Unternehmen über eine Million Quadratfuß Bürofläche in London gemietet. Die Mieten in King’s Cross sind in den letzten drei Jahren um 18 % gestiegen, während die Leerstandsquote auf nur 0,9 % gesunken ist. Großflächige Verträge von über 10.000 ft², wie sie OpenAI oder das geplante Jeff‑Bezos‑Projekt Prometheus abschließen, treiben die Preise weiter nach oben.

Infrastruktur und Lifestyle

Die Lage punktet nicht nur mit High‑Tech‑Kompetenz, sondern auch mit hervorragender Anbindung: In 45 Minuten erreicht man Cambridge, in zwei Stunden Paris. Rund um die Büros entstehen trendige Gastronomiebetriebe wie Hoppers und BAO, die das Viertel zu einem lebendigen Hotspot für Talente machen.

Herausforderungen und Selbstbestimmung

Mit dem rasanten Wachstum kommen neue Fragen auf, etwa zur Daten‑Souveränität. Der Sommer brachte einen Schock, als Anthropic den Zugang zu den Modellen Mythos und Fable sperrte. Investoren wie Saul Klein von Phoenix Court betonten daraufhin die Notwendigkeit, unabhängige Strukturen zu schaffen. Phoenix Court selbst hat drei Portfoliounternehmen im Viertel, darunter Olix, das kürzlich eine Bewertung von 3,3 Milliarden Dollar erreichte.

King’s Cross hat sich von einem von Drogen und Prostitution geprägten Bezirk zu einem globalen KI‑Hub entwickelt, das mit San Francisco und Peking konkurriert. Die Geschichte zeigt, wie gezielte Investitionen, ein starkes Netzwerk und eine attraktive Infrastruktur ein einstiges No‑Man‑Land in ein pulsierendes Innovationszentrum verwandeln können.

Source: https://techcrunch.com/2026/08/09/this-former-notorious-red-light-district-is-now-one-of-the-worlds-top-ai-hubs/

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