Ein drohender Rückschritt für die Pressefreiheit

Die geplante Reform der deutschen Nachrichtendienste, insbesondere des Bundesnachrichtendienstes (BND) und des Bundesamtes für Verfassungsschutz, wirft ein neues Licht auf die rechtliche Absicherung von Journalist:innen. Laut Maximilian Jung von Reporter ohne Grenzen könnte die Neuausrichtung der Geheimdienste die bislang hart erkämpften Schutzmechanismen für vertrauliche Quellen schwächen und damit die Grundpfeiler investigativer Arbeit untergraben.

Berufsgeheimnisträger:innen – ein besonderes Rechtsprivileg

Journalist:innen zählen zu den sogenannten Berufsgeheimnisträger:innen, zu denen neben ihnen auch Rechtsanwält:innen und Geistliche gehören. Dieses Konzept soll verhindern, dass Informationen aus vertraulichen Gesprächen in Strafverfahren oder nachrichtendienstlichen Ermittlungen verwendet werden. In Deutschland wurde dieses Prinzip über Jahre hinweg durch Gesetzesänderungen und gerichtliche Entscheidungen gestärkt, sodass Medienschaffende ihre Quellen ohne Angst vor staatlicher Ausspähung kontaktieren können.

Der aktuelle Rechtsrahmen und seine Schwächen

Seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2011 gilt jedoch ein relativer Schutz: Jede Überwachung muss im Einzelfall gegen das Interesse an Pressefreiheit abgewogen werden. Das führt zu einer zweistufigen Bewertung, bei der Rechtsanwält:innen und Geistliche häufig ein höheres Schutzniveau genießen als Journalist:innen. Jung betont, dass ein absoluter Schutz vor staatlicher Beobachtung für Journalist:innen nicht existiert – ein Umstand, der die Branche vulnerabel macht.

Grenzenlose Überwachung? – Die neue Gesetzeslage

Der BND ist traditionell für die Auslandsaufklärung zuständig. Bisher musste bei inländischen Journalist:innen ein konkreter Verdacht auf Straftaten oder Gefährdung der Bundesrepublik vorliegen, bevor eine Überwachung zulässig war. Die geplante Reform verwischt jedoch die Unterscheidung zwischen Ausland‑Ausland‑ und Ausland‑Inland‑Kommunikation. Das bedeutet, dass Gespräche mit Quellen im Ausland künftig leichter von den Nachrichtendiensten erfasst werden könnten, selbst wenn die Journalist:innen selbst in Deutschland tätig sind.

Folgen für investigative Recherche

Für Reporter:innen, die sensible Themen wie Terrorismus, Korruption oder Menschenrechtsverletzungen beleuchten, ist die Vertraulichkeit der Kommunikation essenziell. Wird diese durch erweiterte Befugnisse des BND gefährdet, könnten potenzielle Informanten zögern, Auskünfte zu geben. Das würde nicht nur die Qualität der Berichterstattung mindern, sondern auch das öffentliche Interesse an Aufklärung und Kontrolle staatlicher Macht schwächen.

Was kann getan werden?

Jung fordert, die geplante Abschaffung der G10‑Kommission – das Gremium, das bisher die Überwachung von Telekommunikation kontrollierte – zu überdenken. Er plädiert für klare gesetzliche Schranken, die den Schutz von Journalist:innen wieder in den Vordergrund rücken und eine differenzierte Bewertung von Auslands‑ und Inlands‑Kommunikation sicherstellen. Nur so könne die Pressefreiheit, ein Grundpfeiler der Demokratie, wirksam verteidigt werden.

Source: https://netzpolitik.org/2026/geheimdienstreform-der-schutz-von-journalistinnen-wird-systematisch-abgebaut/

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