Ein neues Kapitel in der Lebensmitteltechnologie

Britische Forscher haben erstmals die Gene von Schwein und Rind in die Chloroplasten von Pflanzen eingebracht. Ziel war es, Myoglobin – das Protein, das Fleisch seine rote Farbe und den charakteristischen Geschmack verleiht – in pflanzlichen Zellen zu produzieren.

Warum Myoglobin so wichtig ist

Myoglobin bindet Sauerstoff im Muskelgewebe von Wirbeltieren. Der eisenhaltige Anteil sorgt für die herzhafte Note, während das gebundene Sauerstoffmolekül die typische rote Färbung von Steaks erzeugt. In den meisten pflanzlichen Fleischersatzprodukten fehlt dieses Protein, was die geschmackliche Annäherung an echtes Fleisch erschwert.

Der geniale „Genenkanon“

Die Wissenschaftler nutzten einen sogenannten Genenkanon, ein Gerät, das winzige DNA‑Teilchen mit hoher Geschwindigkeit in die Chloroplasten schießt. Chloroplasten stammen evolutionär von Bakterien ab und besitzen ein eigenes Genom, das sich hervorragend für die Aufnahme fremder Gene eignet.

Erste Erfolge mit Tabak und Salat

In den Experimenten gelang die Integration des Myoglobin‑Gens in Tabak‑ und Salatpflanzen. Die transformierten Organismen wuchsen, blühten und setzten Samen – und ihre Nachkommen trugen das neue Merkmal weiter. Die Ausbeute lag bei etwa 800 mg Myoglobin pro Kilogramm trockenem Pflanzenmaterial, mehr als das Dreifache dessen, was bei einer Kern‑Integration erzielt wurde.

Grenzen und Perspektiven

Obwohl die Menge an Myoglobin in den Pflanzen noch weit hinter der in tierischem Fleisch zurückbleibt – Fleisch enthält über zehnmal mehr – könnten die hohen Erträge pro Hektar die landwirtschaftliche Produktion von tierischem Eiweiß langfristig übertreffen. Die Studie liefert jedoch keine Feldversuche oder umfassende Umweltanalysen, sodass Aussagen zu Wasserverbrauch, Energiebedarf und Treibhausgasen vorerst spekulativ bleiben.

Von der Pflanze zum Burger

Der Plan ist nicht, den Salat selbst zu essen, sondern das Myoglobin aus den Blättern zu extrahieren und als Zutat in pflanzlichen Fleischalternativen zu verwenden. Da das Molekül identisch mit dem tierischen Gegenstück ist, könnte es Geschmack und Nährwert von „Fake‑Fleisch“ deutlich verbessern. Bisher wurde jedoch kein Endprodukt hergestellt oder verkostet.

Die Forschung wird von einem britischen Biotech‑Unternehmen unterstützt, das bereits ein Patent für die Technologie anmeldet. Damit könnte sich in den kommenden Jahren ein neuer Markt für gentechnisch erzeugte Fleischgeschmacksstoffe entwickeln.

Source: https://scientias.nl/voor-het-eerst-maken-planten-het-eiwit-dat-vlees-rood-kleurt/

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