Palantir und die Steuervermeidung in Europa
Im Geschäftsjahr 2024 hat das US‑Datenanalyse‑Unternehmen Palantir seinen Umsatz fast verdoppelt und damit Rekordzahlen erzielt. Der beeindruckende Anstieg von 93 % auf 1,68 Milliarden Euro wirft jedoch ein Schlaglicht auf die Finanzstrategie des Konzerns: Durch geschickte Gewinnverlagerungen in die Vereinigten Staaten reduziert Palantir seine Steuerlast in Europa drastisch.
Gewinnverlagerung in die USA
Ein Bericht des britischen Centre for International Corporate Tax Accountability and Research zeigt, dass Palantir in europäischen Ländern deutlich geringere Gewinnmargen ausweist als in den USA. Die Differenz entsteht, weil Einnahmen aus europäischen Aufträgen über interne Verrechnungspreise zurück in die US‑Muttergesellschaft fließen. Dort profitieren sie von einer Gesetzeslücke, die insbesondere durch den „One Big Beautiful Bill Act“ und die Vergütung von Mitarbeitenden mit Aktienoptionen ermöglicht wird. Solange die globale Mindeststeuer nicht konsequent durchgesetzt wird, kann Palantir bis zu ein Jahrzehnt lang nahezu steuerfrei in den USA operieren.
Auswirkungen auf Deutschland
Deutschland rangiert im Bericht an zweiter Stelle der von Palantirs Steuerstrategien betroffenen Länder. Für das Jahr 2024 wird ein Steuerausfall von rund 1,6 Millionen Euro geschätzt. Dabei stammen 65 % des dortigen Umsatzes aus Dienstleistungsgebühren, die jedoch offenbar in den USA verbucht werden. Das führt zu einer erheblichen Unterschätzung der tatsächlichen Gewinne und damit zu einer geringeren Steuerbemessungsgrundlage. Bundesländer wie Baden‑Württemberg, Hessen, Nordrhein‑Westfalen und Bayern, die bereits millionenschwere Verträge mit Palantir abgeschlossen haben, stehen nun im Fokus kritischer Prüfungen.
Reaktionen und Forderungen
Die Forschenden fordern, bestehende Regierungsaufträge mit Palantir zu hinterfragen und künftige Verträge zu vermeiden, solange die Steuerpraktiken nicht transparent und fair gestaltet sind. Während Palantir im Vergleich zu Giganten wie Apple, Amazon oder Google geringere Summen verschiebt, ist das Unternehmen dennoch ein bedeutender Akteur im Bereich militärischer und geheimdienstlicher Datenanalysen. Die wachsende Marktmacht kombiniert mit aggressiver Steueroptimierung macht es zu einem Prüfstein für die europäische Steuerpolitik.
Source: https://netzpolitik.org/2026/dubiose-praktiken-palantir-drueckt-sich-vor-steuern/