Ein seltener Fund im Asphalt
Im berühmten La Brea‑Teersee in Los Angeles hat ein Forschungsteam ein bislang unbekanntes Amphibienexemplar aus der späten Eiszeit ans Licht gebracht. Die winzige Knoblauchkröte, die den Namen Spea labreae trägt, ist größer als ihre heute lebenden Verwandten und liefert wertvolle Hinweise auf das damalige Klima.
Wie die neue Art identifiziert wurde
Alberto Cruz, ein Paläoökologe, durchforstete ein seit den 1950er‑Jahren kaum beachtetes Museumssortiment. Während er die Knochen von Reptilien und Amphibien untersuchte, fielen ihm ungewöhnliche Merkmale an einigen Skelettteilen auf. Zunächst vermutete er Verletzungen oder Krankheiten, doch ein genauerer Vergleich mit rund achtzig modernen Exemplaren zeigte, dass die Unterschiede systematisch waren.
Durch Messungen von Form, Größe und Proportionen bestätigte Cruz, dass es sich um eine eigenständige Spezies handelte. Die Analyse erforderte akribisches Abgleichen mit Sammlungen der University of California, Berkeley, und lokaler Institute, um sicherzustellen, dass keine bekannte Art übersehen worden war.
Bedeutung für die Klimageschichte
Amphibien gelten als empfindliche Klimasensoren, weil ihr Leben stark von Temperatur, Niederschlag und Wasserverfügbarkeit abhängt. Die Existenz von Spea labreae in der Region weist darauf hin, dass das Los‑Angeles‑Becken zu jener Zeit deutlich kühler und feuchter war als heute. Während Großsäuger wie Mammuts häufig im Fokus stehen, ermöglichen kleine Wirbeltiere präzisere Rekonstruktionen von Vegetation und Feuchtigkeitsbedingungen.
Zusätzlich fanden die Wissenschaftler Überreste der mexikanischen grabenden Kröte Rhinophrynus dorsalis. Dies ist das erste Mal, dass diese Art im Südwesten der USA nachgewiesen wurde. Heute lebt sie erst 2 500 km weiter südlich in Mexiko, was auf eine erhebliche Verschiebung ihres Verbreitungsgebiets seit dem Ende der Eiszeit hindeutet – vermutlich ausgelöst durch die nachfolgende Erwärmung und die Entstehung gebirgiger Landschaften.
Weitere überraschende Funde
Der Fund von Spea labreae ist erst der zweite bekannte ausgestorbene Amphibienvertreter aus der nordamerikanischen Eiszeit, nach einer Baumfroschart aus Florida. Beide Entdeckungen unterstreichen, wie wertvoll historische Sammlungen sein können: Materialien, die jahrzehntelang unbeachtet blieben, können bei erneuter Untersuchung völlig neue Erkenntnisse liefern.
Schlussfolgerungen
Die Wiederentdeckung alter Fossilien verdeutlicht, dass Museen nicht nur Ausstellungsräume, sondern auch Schatzkammern für zukünftige Forschung sind. Durch die Kombination von klassischer Paläontologie und moderner Klimawissenschaft eröffnet die kleine Knoblauchkröte ein Fenster in ein Los Angeles, das vor tausenden von Jahren ein völlig anderes Aussehen hatte.