Einleitung
Die Europäische Kommission hat jüngst einen Verstoß von TikTok gegen den Digital Services Act (DSA) festgestellt. Kern des Problems: Konten von minderjährigen Nutzerinnen und Nutzern seien zu leicht auffindbar und damit nicht ausreichend geschützt. Die Behörde fordert nun strengere Vorgaben, um die Privatsphäre und Sicherheit von Teenagern auf der Plattform zu erhöhen.
Aktuelle Regelungen und deren Schwächen
TikTok bietet bereits spezielle Kontotypen für junge Menschen an. Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren erhalten standardmäßig ein privates Profil, während 16‑ bis 17‑Jährige zwischen einem privaten und einem öffentlichen Konto wählen können. Die Kommission erkennt diese Maßnahmen als ersten Schritt an, kritisiert jedoch, dass sie nicht weit genug gehen.
Insbesondere die Möglichkeit, dass 13‑ bis 15‑Jährige ihr Profil öffentlich schalten können, wird als unvereinbar mit dem DSA angesehen. Öffentliche Konten ermöglichen es jedem – auch Personen ohne TikTok‑Account – die Inhalte zu sehen. Darüber hinaus lassen sich private Profile über die „Following“- und „Followers“-Listen anderer Nutzer*innen ausfindig machen, und Profilbilder sind für alle sichtbar.
Risiken für 16‑ bis 17‑Jährige
Für die ältere Gruppe akzeptiert die Kommission öffentliche Konten, verlangt jedoch, dass deren Inhalte nicht über den TikTok‑Feed hinaus verbreitet werden. Die Plattform soll verhindern, dass Beiträge im „Für dich“-Feed anderen Nutzer*innen empfohlen werden. Die Befürchtung ist, dass ein zu hohes Maß an Sichtbarkeit potenzielle Täter*innen anzieht und Cybermobbing begünstigt.
Forderungen der EU-Kommission
TikTok erhält nun Einsicht in die Unterlagen der Kommission und soll innerhalb einer nicht festgelegten Frist die Kontoeinstellungen für Minderjährige anpassen. Konkret verlangt die Behörde, dass Inhalte von unter 16‑Jährigen ausschließlich für bestätigte Kontakte sichtbar sind und nicht im Empfehlungs‑Feed auftauchen. Außerdem sollen die Beiträge nicht außerhalb der Plattform zugänglich sein.
Kommt TikTok den Auflagen nicht nach, droht eine Geldstrafe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes – ein Druckmittel, das bereits bei Unternehmen wie X, Temu und AliExpress eingesetzt wurde.
Weiteres Vorgehen und offene Fragen
Das Verfahren wurde im Februar 2024 eingeleitet, parallel dazu prüfte die Kommission das süchtig machende Design von TikTok, zu dem bislang noch keine abschließende Entscheidung vorliegt. In anderen DSA‑Verfahren hat die EU bereits festgestellt, dass Alterskontrollen auf vielen Plattformen unzureichend funktionieren. TikTok ist zudem Teil eines Pilotprojekts für die EU‑Alterskontroll‑App, deren Bewertung jedoch noch aussteht.
Die Kommission betont, dass Jugendliche digitale Medien nutzen und experimentieren dürfen, jedoch in einem sicheren Umfeld, das sie vor böswilligen Akteur*innen schützt.
Source: https://netzpolitik.org/2026/eu-kommission-tiktok-soll-teenager-konten-strenger-abschirmen/