Ein überraschender Nutzen des Schlafhormons

Melatonin ist vor allem als Einschlafhilfe bekannt. Millionen Menschen nutzen die kleinen Tabletten, um schneller zu schlafen oder um Jetlag zu bekämpfen. Doch aktuelle Forschungen der Universität Sydney deuten darauf hin, dass das Hormon weit mehr zu bieten hat: Es könnte chronische Muskel- und Gelenkschmerzen lindern.

Warum das relevant ist

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung leidet irgendwann an Beschwerden im Bewegungsapparat – sei es durch Rückenschmerzen, Arthrose, Fibromyalgie oder die Nachwirkungen einer Knie‑ oder Hüftoperation. Viele Betroffene greifen dabei zu Analgetika, die häufig mit Nebenwirkungen und Abhängigkeitspotenzial einhergehen. Melatonin hingegen ist preiswert, weltweit verfügbar und gilt als sicher.

Erste wissenschaftliche Hinweise

In einer Metaanalyse wurden Daten von 2.028 erwachsenen Teilnehmenden aus 23 Studien aus verschiedenen Kontinenten ausgewertet. Nach einer Einnahme von Melatonin sank der durchschnittliche Schmerz‑Score um etwa neun Punkte auf einer Skala von 0 bis 100. In den strengsten Studien lag die Reduktion sogar bei rund zehn Punkten – ein Effekt, der sich mit dem einiger gängiger Schmerzmittel messen lässt.

Schlaf und Schmerz im engen Zusammenspiel

Ein weiterer bemerkenswerter Befund war die verbesserte Schlafqualität der Probanden. Chronische Schmerzen und Schlafstörungen verstärken sich häufig gegenseitig; ein besserer Schlaf kann demnach die Schmerzwahrnehmung weiter reduzieren. Dieser doppelte Nutzen macht Melatonin besonders attraktiv für Menschen, die sowohl mit Schmerzen als auch mit Schlafproblemen kämpfen.

Dosierung und Sicherheit

Die untersuchten Dosierungen reichten von 1 bis 10 mg pro Tag, wobei 3 mg am häufigsten verwendet wurden. Interessanterweise zeigte die Analyse keinen Zusammenhang zwischen höherer Dosis und stärkerer Schmerzlinderung. Die häufigsten Nebenwirkungen waren leichte Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen; schwerwiegende Komplikationen wurden nicht berichtet. Dennoch betonen die Wissenschaftler, dass die aktuelle Evidenz noch nicht ausreicht, um Melatonin als vollständigen Ersatz für etablierte Analgetika zu empfehlen.

Ausblick und Praxisempfehlung

Der Ansatz, ein bereits gut verstandenes Medikament für eine neue Indikation zu nutzen, kann die Entwicklungszeit für Therapien erheblich verkürzen. Sollte weitere Forschung die vorläufigen Ergebnisse bestätigen, könnte Melatonin für viele Patienten zu einer preiswerten Ergänzung im Schmerzmanagement werden. Bis dahin sollten Interessierte jedoch Rücksprache mit ihrem Arzt halten, insbesondere wenn bereits andere Medikamente eingenommen werden.

Source: https://scientias.nl/verrassend-wapen-tegen-chronische-pijn-sla-je-met-melatonine-twee-vliegen-in-een-klap/

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